Das ist halt das Schöne, wenn man einmal recht mitten drin sitzt im Glück, da gerät alles, da verliert's Malheur völlig die Courage gegen einen. Ich sage, wenn sich's Unglück über ein' Millionär trauen will, das kommt mir grad so vor, wie wenn ein Pintscherl auf ein' Elephanten bellt.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

Johann Nepomuk Nestroy beschreibt in diesem Zitat humorvoll die schützende Kraft, die Glück und Erfolg auf Menschen ausüben können. Wenn jemand „mitten im Glück sitzt“, scheint alles zu gelingen, und selbst das Unglück verliert seinen Mut, diese Person zu belasten. Der Vergleich zwischen einem kleinen Hund, der einen mächtigen Elefanten anbellt, und dem Versuch des Unglücks, einen erfolgreichen Menschen zu treffen, illustriert die scheinbare Unantastbarkeit des Glücklichen auf treffende Weise.

Dieses Zitat regt dazu an, über die Dynamik zwischen Glück und Unglück nachzudenken. Es zeigt, wie sehr das Gefühl von Erfolg und Sicherheit die Wahrnehmung von Herausforderungen und Schwierigkeiten beeinflusst. Menschen, die sich in einer positiven Phase ihres Lebens befinden, können oft gelassener auf Probleme reagieren, weil sie das Gefühl haben, dass nichts sie ernsthaft erschüttern kann. Gleichzeitig wirft das Zitat die Frage auf, wie stabil dieses „Glück“ wirklich ist und ob es nicht manchmal eine Illusion von Unverwundbarkeit erzeugt.

Nestroys Worte erinnern daran, dass Glück und Erfolg eine innere Stärke verleihen können, die uns widerstandsfähiger gegen das Unglück macht. Sie mahnen jedoch auch, dieses Gefühl der Unantastbarkeit nicht mit Überheblichkeit zu verwechseln. Das Zitat inspiriert dazu, Momente des Glücks bewusst zu genießen und sie als Quelle für Zuversicht und Kraft zu nutzen, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy, ein Meister des Witzes und der gesellschaftskritischen Satire, lebte in einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen Armut und Reichtum deutlich sichtbar waren. Sein Zitat spiegelt diese Spannungen wider und zeigt, wie soziale und wirtschaftliche Sicherheit die Wahrnehmung von Glück und Unglück beeinflussen können. Für einen „Millionär“, der über materielle und symbolische Ressourcen verfügt, mag das Unglück wie ein kleiner, unbedeutender Gegner erscheinen.

Im historischen Kontext des 19. Jahrhunderts war der Begriff des Glücks oft eng mit Wohlstand und gesellschaftlichem Ansehen verbunden. Nestroy nutzt diesen Zusammenhang, um die Ironie und die Absurdität des menschlichen Glaubens an die Unantastbarkeit des Erfolges zu illustrieren. Der Elefant-Pintscher-Vergleich betont humorvoll die Machtverhältnisse, die Glück und Sicherheit schaffen können.

Auch heute bleibt das Zitat aktuell, da es auf die psychologische Wirkung von Erfolg und Wohlstand hinweist. Es lädt dazu ein, über den Einfluss äußerer Umstände auf unsere innere Stärke nachzudenken und zu reflektieren, wie wir mit Glück und Unglück umgehen. Nestroy erinnert uns daran, dass wahres Glück nicht nur in materieller Sicherheit liegt, sondern auch in der Fähigkeit, das Leben mit Gelassenheit und Humor zu betrachten.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion