Betrug is freilich gemein, aber es heißt ja per nefas (mit Unrecht), und aufs per nefas versteh'n sich die anständigen Leut'.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

Johann Nepomuk Nestroy legt in diesem Zitat eine bissige, ironische Kritik an gesellschaftlichen Doppelmoral und Heuchelei vor. Der Betrug wird zwar als ‚gemein‘ erkannt, jedoch weist er darauf hin, dass gerade diejenigen, die sich als ‚anständig‘ ausgeben, oft meisterhaft darin sind, sich auf unrechtmäßige Weise Vorteile zu verschaffen. Der Begriff ‚per nefas‘, was so viel wie ‚auf unrechtmäßige Weise‘ bedeutet, unterstreicht, wie die moralischen Grundsätze in der Praxis oft zugunsten des eigenen Vorteils gebogen werden. 

Dieses Zitat regt dazu an, über die Diskrepanz zwischen öffentlicher Moral und tatsächlichem Verhalten nachzudenken. Es zeigt, wie Menschen sich in einer scheinbaren Tugendhaftigkeit präsentieren, während sie hinter den Kulissen eigene Interessen durchsetzen – oftmals auf Kosten anderer. Diese Reflexion führt zu der Frage, inwieweit gesellschaftliche Normen und moralische Werte wirklich eingehalten werden oder ob sie nur als Fassade dienen. 

Nestroy fordert uns indirekt auf, uns mit unserer eigenen Integrität auseinanderzusetzen. Wie oft rechtfertigen wir selbst fragwürdige Handlungen, weil sie einem größeren Ziel dienen oder als ‚notwendig‘ erscheinen? Sein Zitat mahnt zur Wachsamkeit gegenüber Doppelmoral und zur Bereitschaft, die eigene Ethik kritisch zu hinterfragen. 

In einer Zeit, die von Korruption und Machtmissbrauch geprägt sein kann, bleibt Nestroys Botschaft hochaktuell. Sie lädt dazu ein, nicht nur auf die Worte, sondern auch auf die Taten der Menschen zu achten und echte Anständigkeit von bloßer Selbstdarstellung zu unterscheiden.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy, einer der bedeutendsten Dramatiker und Satiriker des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfsinnigen Beobachtungen und seine ironische Kritik an Gesellschaft und Moral. Dieses Zitat entstammt seiner Vorliebe, durch humorvolle und zugespitzte Aussagen tiefere Wahrheiten über die menschliche Natur und soziale Strukturen zu enthüllen. Nestroys Werke thematisierten oft die Heuchelei und Doppelmoral der bürgerlichen Gesellschaft seiner Zeit. 

Das 19. Jahrhundert war eine Epoche, in der gesellschaftliche Konventionen und moralische Vorstellungen einerseits hochgehalten wurden, andererseits aber durch wirtschaftliche und politische Interessen häufig untergraben wurden. In diesem Kontext ist Nestroys Zitat als Kritik an den ‚anständigen Leuten‘ zu verstehen, die oft genau jene unethischen Praktiken anwenden, die sie nach außen hin verurteilen. Sein Werk forderte das Publikum auf, über diese Widersprüche nachzudenken und sich ihrer eigenen Rolle in diesem System bewusst zu werden. 

Auch heute hat das Zitat eine zeitlose Relevanz. In einer Welt, in der Machtmissbrauch und Doppelmoral immer wieder sichtbar werden, erinnert Nestroy uns daran, dass wahre Anständigkeit nicht in Worten, sondern in Taten liegt. Sein satirischer Ton lädt dazu ein, die gesellschaftlichen Strukturen kritisch zu betrachten und sich der oft verborgenen Mechanismen bewusst zu werden, durch die ‚per nefas‘ legitimiert wird. Nestroy fordert dazu auf, nicht nur die Schwächen anderer zu erkennen, sondern auch die eigenen moralischen Standards immer wieder zu hinterfragen.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion