Begriffe sind freilich das Material der Philosophie, aber nur so, wie der Marmor das Material des Bildhauers ist: sie soll nicht aus ihnen, sondern in sie arbeiten, d. h. ihre Resultate in ihnen niederlegen, nicht aber von ihnen, als dem Gegebenen ausgehen.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer zieht in diesem Zitat eine Parallele zwischen der Philosophie und der Bildhauerei, um die Rolle von Begriffen im philosophischen Denken zu verdeutlichen. Begriffe sind für die Philosophie essenziell, doch sie sind lediglich das Rohmaterial, aus dem die Philosophie ihre Form und Bedeutung herausarbeitet. Wie ein Bildhauer den Marmor bearbeitet, soll der Philosoph Begriffe gestalten, strukturieren und mit Sinn füllen, statt sie als fixe Gegebenheiten zu akzeptieren.
Das Zitat regt dazu an, die aktive Rolle des Philosophen im Umgang mit Begriffen zu reflektieren. Es fordert dazu auf, Begriffe nicht nur als statische Werkzeuge der Beschreibung zu sehen, sondern als dynamische Objekte, die durch kritisches Denken und Analyse geformt werden. Schopenhauer betont, dass die Philosophie nicht bei bestehenden Konzepten verharren, sondern diese transformieren und erweitern soll, um neue Einsichten zu gewinnen.
Diese Reflexion erinnert uns daran, dass echtes Verständnis nicht durch bloßes Akzeptieren vorgefertigter Begriffe entsteht, sondern durch deren kritische Bearbeitung und Anwendung. Schopenhauers Worte inspirieren dazu, Begriffe als Ausgangspunkt zu nutzen, um tiefer in die Struktur und Bedeutung der Welt einzutauchen. Es ist eine Einladung, die Philosophie als kreativen Prozess zu betrachten, der darauf abzielt, neue Erkenntnisse zu formen, anstatt sich nur auf vorhandene Definitionen zu stützen.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer, einer der einflussreichsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine kritische Haltung gegenüber abstrakter Philosophie, die sich oft in rein theoretischen Begriffen verlor. Sein Vergleich mit der Bildhauerei spiegelt seine Überzeugung wider, dass Philosophie eine aktive, schöpferische Arbeit ist, die sich nicht auf bestehende Begriffe verlassen darf. Im historischen Kontext reagierte Schopenhauer auf die spekulative Philosophie seiner Zeit, insbesondere auf Hegel, dessen systematischer Umgang mit Begriffen er als übermäßig abstrakt empfand.
Schopenhauers Zitat ist auch heute relevant, da es die Notwendigkeit betont, Begriffe kritisch zu hinterfragen und sie im Kontext neuer Erkenntnisse anzuwenden. In einer Zeit, in der Wissenschaft und Philosophie oft mit feststehenden Definitionen arbeiten, mahnen seine Worte, Begriffe als dynamische Werkzeuge zu betrachten, die durch Analyse und Anwendung ständig weiterentwickelt werden können. Schopenhauers Vergleich lädt dazu ein, Philosophie nicht nur als theoretische, sondern auch als praktische Kunst zu verstehen, die ständig Neues erschafft.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion