Wenn zwei Menschen zugleich anfangen, einander zu lieben, das ist ein großes Glück. Ein noch größeres Glück aber ist, wenn beide auch zu gleicher Zeit aufhören, einander zu lieben.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt in diesem Zitat eine oft übersehene Wahrheit über die Liebe: Nicht nur ihr Beginn ist entscheidend, sondern auch ihr Ende. Während das Glück der gegenseitigen Verliebtheit allgemein anerkannt ist, betrachtet sie den synchronen Abschied als noch wertvoller.

Dieses Zitat spricht eine Realität an, die viele Menschen erleben: Die meisten Beziehungen enden nicht harmonisch, sondern in einem Ungleichgewicht – eine Person liebt noch, während die andere sich bereits entfremdet hat. Dies führt zu Schmerz, Unverständnis und oft langwierigen emotionalen Kämpfen.

Wenn jedoch beide Partner gleichzeitig erkennen, dass ihre Liebe zu Ende ist und sich in gegenseitigem Einvernehmen trennen, bleibt der Respekt erhalten. Diese Form des Abschieds ist selten, aber wenn sie gelingt, ermöglicht sie eine friedliche Loslösung ohne bitteren Nachgeschmack.

Das Zitat lädt dazu ein, über den Verlauf von Beziehungen nachzudenken. Ist es möglich, das Ende einer Liebe mit derselben Harmonie zu gestalten wie ihren Anfang? Und wie können Menschen lernen, sich gemeinsam zu verabschieden, ohne Verletzungen zu hinterlassen?

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) war eine österreichische Schriftstellerin, die für ihre tiefsinnigen Aphorismen bekannt ist. Ihre Werke beschäftigen sich oft mit den Facetten menschlicher Beziehungen und psychologischen Einsichten.

Dieses Zitat steht im Kontext ihrer Betrachtungen über die Dynamik der Liebe. Während viele literarische Werke sich mit der Magie des Verliebens beschäftigen, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf das, was oft verdrängt wird: das Ende von Beziehungen.

Im gesellschaftlichen Kontext ihrer Zeit war eine Trennung oft ein Tabu, besonders für Frauen. Ebner-Eschenbachs Perspektive war daher bemerkenswert modern: Sie erkannte, dass das Loslassen ebenso wichtig ist wie das Festhalten.

Auch heute bleibt ihr Gedanke aktuell. In einer Zeit, in der Trennungen oft mit Drama und Konflikten verbunden sind, erinnert uns ihr Zitat daran, dass das größte Glück nicht nur in einem gelungenen Anfang liegt, sondern auch in einem respektvollen, gleichzeitigen Ende.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion