Wenn man den Weltlauf so betracht't, so muß einem das auffallen, wie der Himmel die Welt laufen läßt, er schaut sich gar nicht viel um um sie, aber sie muß doch laufen, wie er will. Ah, kommod hat sich's der Himmel eingericht, da ist gar nichts zu sagen.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

Johann Nepomuk Nestroy betrachtet in diesem Zitat auf ironische Weise die scheinbare Distanz zwischen göttlicher Macht und dem Weltgeschehen. Er stellt fest, dass die Welt zwar scheinbar sich selbst überlassen ist, letztlich aber doch nach einem höheren Willen funktioniert. Diese scheinbare Gleichgültigkeit des „Himmels“ gegenüber den Geschehnissen auf der Erde wird humorvoll als „kommod“ (bequem) beschrieben, was auf eine tiefe, vielleicht sogar resignierte Einsicht hinweist: Egal wie chaotisch oder unabhängig die Welt erscheint, sie folgt doch einem unsichtbaren Plan.

Das Zitat regt dazu an, über die Beziehung zwischen Schicksal, göttlicher Vorsehung und menschlicher Freiheit nachzudenken. Es wirft die Frage auf, inwieweit wir die Kontrolle über unser eigenes Leben haben und inwieweit es von Kräften beeinflusst wird, die wir nicht verstehen oder wahrnehmen können. Nestroy betrachtet diese Dynamik mit einer Mischung aus Humor und Melancholie, indem er die ordnende Macht des Himmels zwar anerkennt, aber gleichzeitig die Absurdität des Weltgeschehens hervorhebt.

Seine Worte laden dazu ein, eine Balance zwischen Akzeptanz und Verantwortung zu finden. Während der Himmel die Dinge in Bewegung setzt, bleibt es die Aufgabe des Menschen, seinen Platz in diesem Gefüge zu finden und zu gestalten. Nestroy erinnert uns daran, die Ordnung der Welt nicht immer allzu ernst zu nehmen und dabei trotzdem unseren Beitrag in diesem größeren Plan zu leisten.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy, ein bedeutender Dramatiker des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seinen scharfsinnigen Humor und seine Gesellschaftskritik. In einer Zeit, die von politischen und sozialen Umbrüchen geprägt war, reflektierte Nestroy oft die scheinbare Willkür und Unvorhersehbarkeit des Lebens. Dieses Zitat spiegelt die romantische Vorstellung von einer höheren Ordnung wider, kombiniert mit der bodenständigen Erkenntnis, dass der Mensch oft nur ein Zuschauer im großen Spiel des Universums ist.

Im historischen Kontext zeigt Nestroys Bemerkung die ambivalente Haltung seiner Zeitgenossen gegenüber göttlicher Vorsehung und freiem Willen. Während die Aufklärung das rationale Verständnis des Weltgeschehens betonte, brachte die Romantik eine Rückbesinnung auf das Mysterium und die Unsichtbarkeit göttlicher Kräfte mit sich. Nestroy vereint diese Strömungen mit seinem einzigartigen Humor und stellt die Frage, wie viel Einfluss der Mensch auf sein eigenes Schicksal tatsächlich hat.

Auch heute bleibt dieses Zitat relevant, da es die zeitlose Frage nach der Rolle von Schicksal und freiem Willen aufgreift. Nestroys Worte erinnern daran, das Leben mit einer Mischung aus Akzeptanz, Humor und Verantwortung zu betrachten. Sie laden dazu ein, das große Ganze nicht zu vergessen, während wir unsere individuellen Wege gestalten.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion