Wenn eine Frau ein Genie ist, dann ist sie es höchstens die paar Tage, die eine Frau dafür büßt, daß sie ein Weib ist. All die andere Zeit aber dürfte sie dafür büßen, daß sie ein Weib und ein Genie ist.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus beschreibt in diesem Zitat die Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie außergewöhnliche Begabungen besitzen. In einer von Männern dominierten Gesellschaft wird weibliches Genie oft nicht anerkannt – oder sogar als Widerspruch betrachtet.
Diese Beobachtung verweist auf tief verwurzelte Vorurteile: Frauen, die Intellekt oder Talent zeigen, werden nicht nur für ihre Fähigkeiten beurteilt, sondern auch für das vermeintliche Verlassen traditioneller Geschlechterrollen bestraft. Sie müssen doppelt kämpfen – einmal für ihr Genie und einmal gegen die gesellschaftliche Erwartung, wie eine Frau zu sein hat.
Das Zitat fordert uns auf, über die anhaltende Diskriminierung talentierter Frauen nachzudenken. Wie oft erleben wir es noch heute, dass Frauen in Wissenschaft, Kunst oder Politik härter kämpfen müssen, um die gleiche Anerkennung zu erhalten wie Männer?
Letztendlich erinnert Kraus daran, dass wahres Talent oft nicht ausreicht – es braucht auch gesellschaftlichen Wandel, damit alle Menschen, unabhängig vom Geschlecht, ihre Fähigkeiten entfalten können, ohne dafür zu 'büßen'.
Zitat Kontext
Karl Kraus (1874–1936) war ein österreichischer Schriftsteller, Satiriker und Gesellschaftskritiker, der sich oft mit Themen wie Sprache, Politik und sozialer Gerechtigkeit beschäftigte. Er war ein scharfer Beobachter der Doppelmoral und Ungleichheiten seiner Zeit.
Das Zitat reflektiert die patriarchalen Strukturen des frühen 20. Jahrhunderts, in denen Frauen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens benachteiligt wurden. Geniale Frauen wurden oft nicht ernst genommen oder als Ausnahmefälle dargestellt, die gegen ihre eigentliche Natur handelten.
Zur Zeit von Kraus begannen Frauen, für ihre Rechte zu kämpfen – das Wahlrecht wurde eingeführt, Bildungsbarrieren wurden langsam abgebaut. Dennoch war der Widerstand gegen Frauen in intellektuellen und künstlerischen Bereichen enorm.
Auch heute bleibt seine Einsicht relevant. Obwohl sich die Situation verbessert hat, kämpfen viele talentierte Frauen weiterhin gegen Vorurteile und strukturelle Hürden. Kraus’ Worte erinnern daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht nur darin besteht, Frauen Zugang zu ermöglichen, sondern auch darin, ihre Leistungen wirklich gleichwertig anzuerkennen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion