Uns ist gegeben auf keiner Stätte zu ruhen. Es schwinden, es fallen die leidenden Menschen blindlings von einer Stunde zur anderen wie Wasser, von Klippe zu Klippe geworfen, jahrlang ins Ungewisse hinab.

- Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat

Friedrich Hölderlin beschreibt in diesem Zitat das Gefühl der Rastlosigkeit und Unsicherheit, das die menschliche Existenz prägt. Der Mensch kann sich in der Welt niemals wirklich niederlassen – er ist ständig in Bewegung, den Strömungen des Lebens ausgeliefert.

Diese Metapher des fallenden Wassers vermittelt eine starke Bildhaftigkeit: Das Leben ist wie ein Fluss, der unaufhaltsam von einem Hindernis zum nächsten stürzt. Die Menschen sind Teil dieses Stroms und haben keine Kontrolle darüber, wohin sie getrieben werden.

Das Zitat fordert uns auf, über die Vergänglichkeit und Unvorhersehbarkeit unseres eigenen Lebens nachzudenken. Wie oft fühlen wir uns als Spielball der Umstände, ohne festen Halt oder Orientierung? Ist es möglich, in dieser ständigen Bewegung Frieden zu finden?

Letztendlich erinnert Hölderlin daran, dass das Leben nicht stillsteht. Wer nach absoluter Sicherheit oder Beständigkeit sucht, wird sie nicht finden. Stattdessen müssen wir lernen, die Bewegung als Teil unserer Existenz zu akzeptieren – und vielleicht sogar in ihr einen Sinn zu erkennen.

Zitat Kontext

Friedrich Hölderlin (1770–1843) war ein deutscher Dichter der Romantik, dessen Werke oft eine tiefe Sehnsucht nach Beständigkeit ausdrücken, während sie gleichzeitig die Unausweichlichkeit des Wandels thematisieren.

Das Zitat stammt aus seiner poetischen Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz und zeigt seinen oft melancholischen Blick auf das Leben. Hölderlin sah den Menschen als Getriebenen, als Wesen, das sich in einer unberechenbaren Welt wiederfindet und stets mit dem Ungewissen konfrontiert ist.

Zur Zeit Hölderlins erlebte Europa massive Umwälzungen: Die Französische Revolution, politische Instabilität und der rasante Wandel der Gesellschaft hinterließen das Gefühl, dass nichts von Dauer ist. Seine Worte spiegeln dieses Lebensgefühl wider – eine Epoche des Umbruchs, in der Menschen sich verloren fühlen konnten.

Auch heute bleibt seine Einsicht aktuell. In einer globalisierten, sich schnell verändernden Welt fühlen sich viele Menschen rastlos und getrieben. Hölderlins Worte sind eine poetische Erinnerung daran, dass Bewegung und Wandel unvermeidlich sind – und dass unser Leben dennoch einen Fluss hat, dem wir folgen können.

Daten zum Zitat

Autor:
Friedrich Hölderlin
Tätigkeit:
deutscher Dichter
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion