Stolz will nicht schulden und Eitelkeit will nicht zahlen.

- François de La Rochefoucauld

François de La Rochefoucauld

Klugwort Reflexion zum Zitat

François de La Rochefoucaulds Zitat ist eine scharfsinnige Beobachtung der menschlichen Natur und der inneren Konflikte, die durch Stolz und Eitelkeit entstehen.

Der Stolz wird hier als Verlangen nach Unabhängigkeit dargestellt, als Weigerung, in irgendeiner Weise von anderen abhängig zu sein. Menschen, die von Stolz getrieben sind, vermeiden es, Schulden zu machen – sei es im finanziellen, emotionalen oder sozialen Sinne. Sie möchten ihre Autonomie bewahren und als selbstständig wahrgenommen werden. Doch genau dieser Stolz kann dazu führen, dass Hilfe abgelehnt wird, selbst wenn sie dringend benötigt wird.

Die Eitelkeit hingegen wird als eine andere Form des Egoismus beschrieben. Sie will nicht zahlen, da das Eingestehen einer Schuld – sei es durch Entschuldigung, Anerkennung oder tatsächliche Zahlung – eine Verletzung des eigenen Selbstbildes bedeuten könnte. Eitle Menschen streben danach, makellos zu wirken, was sie daran hindern kann, Verantwortung zu übernehmen.

Das Zitat fordert uns auf, diese beiden Charaktereigenschaften kritisch zu betrachten. Es erinnert daran, dass Stolz und Eitelkeit uns nicht nur vor vermeintlicher Schwäche bewahren, sondern auch isolieren können. Wahre Stärke zeigt sich darin, Schulden – materieller oder immaterieller Art – anzuerkennen und auszugleichen, anstatt sie aus Angst um das eigene Bild zu ignorieren.

Zitat Kontext

François de La Rochefoucauld, ein französischer Schriftsteller und Moralist des 17. Jahrhunderts, war bekannt für seine prägnanten und oft zynischen Beobachtungen über die menschliche Natur.

Dieses Zitat spiegelt die aristokratische Gesellschaft wider, in der er lebte. Stolz und Eitelkeit waren in den höfischen Kreisen von zentraler Bedeutung, wo sozialer Status und das eigene Image überlebenswichtig waren. Schulden zu haben oder nicht zahlen zu wollen, war nicht nur eine finanzielle Angelegenheit, sondern auch eine Frage des Ansehens.

Das Zitat verdeutlicht die Spannungen zwischen zwei ähnlichen, aber doch unterschiedlichen Eigenschaften: Stolz, der nach Unabhängigkeit strebt, und Eitelkeit, die nach äußerlicher Perfektion verlangt. La Rochefoucauld zeigt, dass diese Eigenschaften, obwohl sie als Stärken erscheinen mögen, oft Schwächen und Widersprüche im menschlichen Verhalten offenbaren.

Im heutigen Kontext behält das Zitat seine Relevanz, da Stolz und Eitelkeit weiterhin zentrale Themen im zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Verhalten sind. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, unsere eigenen Beweggründe zu hinterfragen und eine Balance zwischen Selbstachtung und Bescheidenheit zu finden. La Rochefoucaulds Worte bleiben eine zeitlose Einladung zur Selbstreflexion.

Daten zum Zitat

Autor:
François de La Rochefoucauld
Tätigkeit:
französischer Adliger, Soldat und Schriftsteller
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion