Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die schönste Eigenschaft eines Revolutionärs.
- Che Guevara

Klugwort Reflexion zum Zitat
Che Guevara definiert in diesem Zitat eine fundamentale Eigenschaft eines Revolutionärs: die Fähigkeit, sich mit dem Leid anderer Menschen zu identifizieren, unabhängig von Ort, Herkunft oder persönlichen Interessen. Er beschreibt Empathie nicht nur als eine Tugend, sondern als eine politische Notwendigkeit.
Diese Haltung stellt eine Abkehr von rein nationalen oder ideologischen Grenzen dar. Ein wahrer Revolutionär, so Guevara, denkt nicht nur an seine eigene Gruppe, sein eigenes Land oder seine eigene Bewegung – er empfindet jedes Unrecht als sein eigenes und fühlt sich verpflichtet, dagegen anzukämpfen.
Das Zitat erinnert an das Konzept der universellen Gerechtigkeit. Es fordert dazu auf, Ungerechtigkeit nicht zu ignorieren, selbst wenn sie weit entfernt geschieht oder einen selbst nicht direkt betrifft. In einer globalisierten Welt ist diese Botschaft besonders relevant: Menschenrechte, Armut, Krieg und soziale Ungleichheit sind keine isolierten Phänomene, sondern betreffen letztlich alle.
Kritisch betrachtet könnte man fragen, ob es überhaupt möglich ist, jede Ungerechtigkeit „im Innersten zu fühlen“, ohne daran zu zerbrechen. Kann ein Mensch wirklich jedes Leid dieser Welt empfinden, ohne daran zugrunde zu gehen? Oder ist es vielmehr eine Aufforderung, sich nicht in Gleichgültigkeit zurückzuziehen, sondern aktiv für eine gerechtere Welt einzutreten? Guevaras Worte sind ein Plädoyer gegen Apathie – und ein Aufruf, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Zitat Kontext
Ernesto „Che“ Guevara (1928–1967) war eine zentrale Figur der kubanischen Revolution und ein Symbol für den weltweiten Kampf gegen Unterdrückung. Er war Mediziner, Guerillakämpfer und marxistischer Theoretiker, dessen Ideen bis heute sowohl verehrt als auch kritisch diskutiert werden.
Das Zitat passt in den Kontext seiner Überzeugung, dass der Kampf gegen Ungerechtigkeit keine Grenzen kennen darf. Guevara engagierte sich nicht nur in Kuba, sondern unterstützte revolutionäre Bewegungen in Afrika und Lateinamerika. Er glaubte an einen weltweiten Kampf für soziale Gerechtigkeit und sah in der Solidarität zwischen unterdrückten Völkern eine zentrale Strategie für den Wandel.
Historisch gesehen, stammt dieses Denken aus einer Zeit, in der koloniale und postkoloniale Kämpfe für Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit weltweit stattfanden. Die 1960er Jahre waren eine Ära der Umbrüche, in der antikapitalistische und antiimperialistische Bewegungen zunehmend an Einfluss gewannen.
Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, die von Ungleichheiten geprägt ist, stellt sich die Frage, ob Menschen noch bereit sind, sich für fremdes Leid zu interessieren und aktiv gegen Ungerechtigkeit einzutreten. Guevaras Worte sind eine Erinnerung daran, dass Mitgefühl nicht ausreicht – es muss zu Handlungen führen, wenn echte Veränderung erreicht werden soll.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Che Guevara
- Tätigkeit:
- kub. Guerillaführer und Revolutionär
- Epoche:
- Nachkriegszeit
- Mehr?
- Alle Che Guevara Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion