O, zum Mitleiden gehört nur ein Mensch, aber zur Mitfreude ein Engel; es gibt nichts Schöneres als den glänzenden Christuskopf, auf welchem das Weglegen der Mosisdecke den stillen frohen Anteil an fremden unbescholtenen Freuden, an fremder reiner Liebe zeigt; und es ist ebenso göttlich (oder noch mehr), einer fremden Liebe mit einem stumm-glückwünschenden Herzen zuzuschauen, als sie selber zu haben...

- Jean Paul

Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean Pauls Zitat hebt die tiefgründige Schönheit der Mitfreude hervor und zeigt, dass es eine besondere Tugend ist, sich von Herzen über das Glück anderer zu freuen. Während Mitleid eine universelle menschliche Fähigkeit ist, erfordert Mitfreude eine seltenere und fast übermenschliche Großzügigkeit. Diese Fähigkeit, fremdes Glück ohne Neid zu betrachten und es als eigene Freude zu empfinden, wird in diesem Zitat als göttlich beschrieben.

Der Vergleich mit dem ‚Weglegen der Mosisdecke‘ verweist auf eine Offenheit und Klarheit des Herzens, die es erlaubt, das reine Glück und die Liebe anderer anzuerkennen und daran teilzuhaben. Jean Paul zeigt, dass das wahre Glück nicht nur im eigenen Erleben liegt, sondern auch in der stillen Anteilnahme am Glück anderer.

Diese Reflexion lädt dazu ein, unsere eigene Haltung zu hinterfragen: Können wir uns uneigennützig für andere freuen, oder trübt der Vergleich unser eigenes Empfinden? Seine Worte sind ein Appell, über uns selbst hinauszuwachsen und das Glück anderer als Teil des gemeinsamen menschlichen Daseins zu feiern. Mitfreude, so lehrt uns Jean Paul, ist eine Form von Liebe, die sowohl den Geber als auch den Empfänger bereichert.

Zitat Kontext

Jean Paul, ein bedeutender Schriftsteller der deutschen Romantik, war bekannt für seine tiefgründigen und oft poetischen Reflexionen über die menschliche Natur. Dieses Zitat steht in der Tradition romantischen Denkens, das die Fähigkeit zur Mitfreude als eine Form von Spiritualität und Menschlichkeit betrachtete.

Die Anspielung auf christliche Bilder, wie den ‚Christuskopf‘ und das ‚Weglegen der Mosisdecke‘, zeigt Jean Pauls Einfluss durch die christliche Theologie, die in der Romantik häufig mit einer universellen, humanistischen Ethik verbunden wurde. Die Betonung auf Mitfreude spiegelt die romantische Idee wider, dass echte Menschlichkeit in der Verbindung mit anderen liegt.

In einer modernen Gesellschaft, die oft auf Individualismus und persönliche Erfolge fokussiert ist, bleibt Jean Pauls Botschaft relevant. Sie erinnert uns daran, dass wahres Glück nicht nur in unseren eigenen Errungenschaften liegt, sondern in der Fähigkeit, das Glück anderer mit einem offenen Herzen zu teilen. Seine Worte fordern uns auf, in einer Welt voller Konkurrenz und Vergleich eine Haltung der Großzügigkeit und des Mitgefühls zu kultivieren.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean Paul
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion