Konsul: In der amerikanischen Politik eine Person, die kein Amt vom Volk erhalten hat und von der Regierung unter der Bedingung, dass sie das Land verlässt, ein Amt erhält.

- Ambrose Gwinnett Bierce

Klugwort Reflexion zum Zitat

Ambrose Bierce bringt in diesem Zitat seinen typischen Sarkasmus zum Ausdruck, indem er die Vergabe politischer Posten kritisch beleuchtet. Er beschreibt den *Konsul* – ein offizieller Vertreter der Regierung im Ausland – als jemanden, der nicht durch demokratische Wahl ins Amt gelangt ist, sondern durch politische Einflussnahme dorthin befördert wurde, oft als eine Art „Abschiebung“ aus der nationalen Politik.

Diese Aussage verweist auf eine gängige Praxis in politischen Systemen, bei der politische Verbündete oder unerwünschte Persönlichkeiten mit diplomatischen Posten belohnt oder aus dem innerstaatlichen Machtgefüge entfernt werden. Bierces Spott zeigt, wie politische Macht nicht immer durch Verdienste oder demokratische Prozesse verliehen wird, sondern oft durch strategische Kalküle.

Das Zitat regt dazu an, über die Mechanismen politischer Ämtervergabe nachzudenken. Sind öffentliche Positionen wirklich immer das Ergebnis von Qualifikation und demokratischer Wahl? Oder spielen Parteipolitik, persönliche Loyalitäten und taktische Erwägungen eine größere Rolle? Bierces Worte fordern eine kritische Auseinandersetzung mit politischen Strukturen und den oft opportunistischen Manövern innerhalb der Regierung.

Kritisch könnte man fragen, ob Bierce nicht zu zynisch ist. Gibt es nicht auch kompetente und verdiente Konsuln, die ihre Ämter durch Leistung erhalten? Doch sein Zitat erinnert daran, dass Politik oft weniger von Idealismus als von strategischem Kalkül geprägt ist – und dass viele Posten nicht aufgrund von Eignung, sondern aus machtpolitischen Erwägungen vergeben werden.

Zitat Kontext

Ambrose Bierce (1842–1914) war ein amerikanischer Schriftsteller und Journalist, bekannt für seine scharfsinnigen und oft zynischen Beobachtungen über Politik und Gesellschaft. Sein berühmtes Werk *The Devil’s Dictionary* enthält viele satirische Definitionen wie diese.

Das Zitat steht im Kontext seiner Kritik an politischer Korruption und Amtsmissbrauch. Bierce deckte in seinen Schriften immer wieder die Schattenseiten der amerikanischen Politik auf und zeigte, wie Macht oft nicht nach demokratischen Prinzipien, sondern nach Opportunismus verteilt wird.

Historisch betrachtet, lebte Bierce in einer Zeit, in der politische Patronage – das sogenannte *Spoils System* – in den USA weit verbreitet war. Regierungsposten wurden oft als Belohnung für Parteitreue vergeben, unabhängig von fachlicher Qualifikation. Seine Worte sind eine ironische Anspielung auf diese Praxis.

Auch heute bleibt das Zitat aktuell. Politische Ämter werden weiterhin oft nicht nach Kompetenz, sondern nach Loyalität vergeben. In vielen Ländern gibt es Beispiele für Botschafter oder hohe Beamte, die aufgrund politischer Beziehungen und nicht wegen ihrer Eignung ernannt werden. Bierces Worte sind eine Erinnerung daran, politische Entscheidungen stets kritisch zu hinterfragen – und sich bewusst zu machen, dass nicht jede offizielle Ernennung das Ergebnis von Meritokratie ist.

Daten zum Zitat

Autor:
Ambrose Gwinnett Bierce
Tätigkeit:
US Schriftsteller, Journalist und Satiriker
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion