Jeder Mensch ist sein eigener Zeitgenosse, wenn er über sich selbst urteilt. Er mag den Sturm der Popularität spüren, aber er kann nicht sagen, wie lange er anhalten wird. Seine Meinung über sich selbst braucht Abstand, braucht Zeit, braucht Zahlen, um sie zu untermauern.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
William Hazlitts Zitat ist eine tiefgründige Reflexion über Selbstwahrnehmung und die Vergänglichkeit von Anerkennung. Es beschreibt, wie schwierig es ist, ein objektives Urteil über sich selbst zu fällen, da die eigene Perspektive oft von den Umständen der Gegenwart und der unmittelbaren Reaktion der Umgebung geprägt ist.
Der 'Sturm der Popularität' symbolisiert die äußeren Einflüsse, die unsere Meinung von uns selbst prägen können. Menschen neigen dazu, ihre Selbsteinschätzung an kurzfristigen Erfolgen oder Misserfolgen zu orientieren, ohne die langfristigen Konsequenzen oder die größere Perspektive zu berücksichtigen. Hazlitt mahnt, dass wahres Selbstverständnis Zeit und Abstand erfordert – sowie die Fähigkeit, sich selbst von der Distanz eines zukünftigen Beobachters zu betrachten.
Das Zitat regt dazu an, die eigene Selbstwahrnehmung kritisch zu hinterfragen. Es zeigt, dass momentane Emotionen oder gesellschaftliche Rückmeldungen oft eine verzerrte Sicht auf die eigene Bedeutung und Leistung erzeugen können. Stattdessen braucht es Geduld und die Bereitschaft, die eigene Existenz in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Zeit, Erfahrung und Zahlen – im Sinne von Beweisen oder Beständigkeit – sind notwendig, um ein fundiertes Urteil über sich selbst zu fällen.
Kritisch könnte man fragen, ob Hazlitts Forderung nach Abstand und Zeit immer realistisch ist, insbesondere in einer schnelllebigen Welt, in der oft sofortige Entscheidungen und Reaktionen gefordert werden. Dennoch bleibt die Essenz seiner Botschaft zeitlos: Ein wahres Verständnis von sich selbst erfordert Geduld und die Fähigkeit, über den Moment hinauszublicken.
Zitat Kontext
William Hazlitt (1778–1830) war ein englischer Essayist und Literaturkritiker, der sich intensiv mit der menschlichen Natur und der Rolle des Individuums in der Gesellschaft auseinandersetzte. Sein Zitat spiegelt die philosophische und psychologische Auseinandersetzung mit Selbstwahrnehmung wider, die im frühen 19. Jahrhundert ein zentrales Thema war.
Historisch betrachtet entstand das Zitat in einer Zeit, in der die romantische Bewegung die Subjektivität und die inneren Kämpfe des Individuums betonte. Hazlitts Worte sind ein Ausdruck dieses Denkens, das die Komplexität der Selbstreflexion und die Spannung zwischen äußerer Anerkennung und innerer Wahrheit betont. Die Idee, dass wahres Selbstverständnis nur durch Zeit und Reflexion erreicht werden kann, steht im Gegensatz zur flüchtigen Natur von Ruhm und Popularität.
In der heutigen Zeit, geprägt von sozialen Medien und der ständigen Bewertung durch andere, gewinnt Hazlitts Zitat an Bedeutung. Es erinnert uns daran, dass momentane Meinungen – ob von uns selbst oder von anderen – oft oberflächlich und vorübergehend sind. Es fordert dazu auf, die eigene Selbstwahrnehmung in einem größeren, zeitlichen Kontext zu betrachten und nicht von kurzfristigen Trends oder äußeren Einflüssen bestimmen zu lassen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion