In den Augen Jeromes kehrten 15000 Franc alle Gesetze der Optik um, und er fand, daß Mariette einen schönen Wuchs habe.
- Honoré de Balzac

Klugwort Reflexion zum Zitat
Dieses Zitat von Honoré de Balzac offenbart die zynische, aber zugleich treffende Beobachtung, wie materielle Anreize unsere Wahrnehmung beeinflussen können. Jerome, der Protagonist in diesem Kontext, wird durch den Einfluss von 15000 Franc dazu gebracht, Mariette plötzlich mit neuen Augen zu sehen. Hierbei hebt Balzac hervor, wie leicht subjektive Urteile, etwa über Attraktivität oder Charakter, durch äußere Faktoren wie Geld oder Macht verfälscht werden können.
Das Zitat ist eine ironische Kommentierung der menschlichen Schwäche für materielle Werte. Balzac spielt mit der Idee, dass Geld in der Lage ist, nicht nur die Perspektive auf Menschen zu verändern, sondern sogar fundamentale „Gesetze“ der Wahrnehmung, wie die Optik, auszuhebeln. Dies unterstreicht, wie stark die Abhängigkeit von materiellen Gütern unsere moralischen und emotionalen Urteile verzerren kann.
Diese Reflexion lädt dazu ein, die Integrität der eigenen Wahrnehmung und Urteilskraft zu hinterfragen. Sind unsere Meinungen und Gefühle über andere tatsächlich unabhängig von äußeren Einflüssen? Oder lassen wir uns von solchen Faktoren unbewusst leiten? Balzacs Aussage ist ein Aufruf, sich selbstkritisch zu prüfen und den Wert von Menschen nicht nach materiellen Gesichtspunkten zu bemessen.
Zitat Kontext
Honoré de Balzac (1799–1850) ist einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller und bekannt für seine monumentale Romanreihe *La Comédie Humaine*, die die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in all ihren Facetten darstellt. In seinen Werken beleuchtet Balzac mit scharfem Blick die menschlichen Schwächen, insbesondere den Einfluss von Geld, Macht und sozialem Status auf Beziehungen und Charaktere.
Das vorliegende Zitat entstammt diesem Kontext und illustriert, wie Balzac die Wechselwirkungen zwischen materiellen und emotionalen Werten aufgreift. Die Figur Jerome repräsentiert den typischen Menschen, dessen moralische und ästhetische Wahrnehmungen durch ökonomische Verlockungen manipuliert werden. Mariette wird nicht mehr nach ihrem tatsächlichen Erscheinungsbild oder Charakter beurteilt, sondern durch die Brille des finanziellen Gewinns, den sie symbolisiert.
Balzac hält der Gesellschaft seiner Zeit, in der Geld und Status eine immer größere Rolle spielten, einen Spiegel vor. Das Zitat hat jedoch auch in der heutigen Welt eine ungebrochene Aktualität. In einer Zeit, in der materielle Werte oft im Vordergrund stehen, mahnt es dazu, sich nicht von äußeren Einflüssen leiten zu lassen und Menschen unabhängig von finanziellen oder sozialen Vorteilen wertzuschätzen. Es ist ein zeitloses Beispiel für Balzacs Fähigkeit, universelle menschliche Verhaltensweisen humorvoll und präzise zu entlarven.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Honoré de Balzac
- Tätigkeit:
- franz. Schriftsteller
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion