Ihr treu gebliebenen! aber ich weiß, ich weiß, Der Liebe Leid, dies heilet so bald mir nicht, Dies singt kein Wiegensang, den tröstend Sterbliche singen, mir aus dem Busen.
- Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat
Friedrich Hölderlin drückt in diesen Zeilen eine tiefe Melancholie über den Schmerz der Liebe aus. Er spricht diejenigen an, die ihm treu geblieben sind, doch er betont zugleich, dass der Kummer, den die Liebe verursacht, nicht schnell vergeht. Keine menschliche Stimme – kein Lied, kein Trost – kann diesen Schmerz einfach hinwegnehmen.
Diese Zeilen zeigen Hölderlins typische Mischung aus Sehnsucht, Verlust und tiefem emotionalen Empfinden. Liebe ist für ihn nicht nur eine Quelle der Freude, sondern auch eine tiefe Wunde, die nicht durch oberflächlichen Trost geheilt werden kann. Dies verweist auf eine romantische Vorstellung von Liebe als einer existenziellen, fast überirdischen Kraft, die das menschliche Dasein grundlegend prägt.
Das Zitat regt dazu an, über die Natur von Liebe und Schmerz nachzudenken. Ist Liebe immer mit Leid verbunden? Kann wahre Liebe überhaupt existieren, ohne dass sie uns verwundet? Hölderlin zeigt, dass Liebe nicht nur ein Gefühl, sondern eine tiefe, fast metaphysische Erfahrung ist, die sich nicht einfach auflösen lässt.
Kritisch könnte man fragen, ob Hölderlins Sicht nicht zu pessimistisch ist. Gibt es nicht auch Liebe, die heilt, anstatt zu verletzen? Doch seine Worte spiegeln eine existentielle Wahrheit wider: Manche Verluste lassen sich nicht einfach vergessen oder durch Trost ersetzen. Sein Zitat ist eine Erinnerung daran, dass manche Emotionen Teil unserer tiefsten menschlichen Erfahrung bleiben und uns ein Leben lang begleiten.
Zitat Kontext
Friedrich Hölderlin (1770–1843) war einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Romantik. Seine Werke sind geprägt von tiefem Naturgefühl, philosophischer Reflexion und einer oft schmerzvollen Sehnsucht nach einem unerreichbaren Ideal.
Das Zitat steht im Kontext seiner romantischen Dichtung, in der Liebe oft als eine überwältigende, aber auch tragische Kraft dargestellt wird. In vielen seiner Gedichte ist die Liebe nicht nur eine Quelle von Glück, sondern auch eine Erfahrung, die Schmerz und Verlust mit sich bringt.
Historisch betrachtet, lebte Hölderlin in einer Zeit des Umbruchs, geprägt von der Französischen Revolution und ihren Folgen. Doch während viele seiner Zeitgenossen politische und gesellschaftliche Themen behandelten, wandte sich Hölderlin in seiner Dichtung oft dem Inneren des Menschen zu – seinen Gefühlen, seiner Sehnsucht und seinen unerfüllten Träumen.
Auch heute bleibt das Zitat relevant. In einer Welt, die oft schnellen Trost und Ablenkung sucht, erinnert Hölderlin daran, dass manche Wunden Zeit brauchen und nicht einfach „geheilt“ werden können. Seine Worte laden dazu ein, die Tiefe der eigenen Gefühle anzuerkennen – und darin eine Form der Wahrheit zu finden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Friedrich Hölderlin
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion