Ich habe wohl auch meine Zeit an die Großartigkeit unserer Epoche der Technik geglaubt, aber jetzt fühle ich nur noch das Eine: daß sie die Erde entzaubert, indem sie alles allen gemein macht.

- Christian Morgenstern

Klugwort Reflexion zum Zitat

Christian Morgenstern beschreibt in diesem Zitat das ambivalente Verhältnis des Menschen zur technologischen Entwicklung.

Einerseits erkennt er an, dass er selbst einst an den Fortschritt glaubte – doch mit der Zeit hat er realisiert, dass Technik nicht nur Vorteile bringt. Sie hat auch eine Schattenseite: Sie macht die Welt berechenbar, entzaubert sie und nimmt ihr das Mystische. Alles wird für jeden zugänglich, doch in dieser Allgemeinheit verliert sich auch die Einzigartigkeit.

Diese Gedanken sind heute besonders aktuell. In einer Welt, in der das Internet alles in Sekundenschnelle verfügbar macht, bleibt wenig Raum für Geheimnisse und unerforschte Gebiete. Der Zugang zu Wissen ist unbegrenzt, doch oft geht dabei das Staunen über das Unbekannte verloren. Morgenstern erinnert uns daran, dass Fortschritt nicht nur ein Gewinn, sondern auch ein Verlust sein kann – nämlich der Verlust der Magie und der Einzigartigkeit der Dinge.

Das Zitat fordert uns auf, darüber nachzudenken, wie wir Fortschritt gestalten. Wie können wir technologische Innovationen nutzen, ohne die Faszination für das Leben zu verlieren? Vielleicht liegt die Lösung darin, bewusst Räume für Staunen und Geheimnisse zu bewahren, anstatt alles auf reine Funktionalität zu reduzieren.

Zitat Kontext

Christian Morgenstern (1871–1914) war ein deutscher Schriftsteller, der für seine tiefgründigen, oft ironischen Betrachtungen über das Leben bekannt war.

Dieses Zitat spiegelt seine Skepsis gegenüber der Industrialisierung und Technisierung der Welt wider. Zu seiner Zeit erlebte Europa eine rasante technische Entwicklung, von der Elektrifizierung bis zur Automobilisierung. Während viele diese Entwicklungen als Fortschritt feierten, erkannte Morgenstern eine Gefahr: Die Technik macht alles verfügbar, aber sie nimmt auch etwas Wesentliches – das Staunen, das Geheimnisvolle.

Der historische Kontext ist aufschlussreich: In der frühen Moderne begannen Künstler und Philosophen, die Entfremdung des Menschen durch Technik zu kritisieren. Morgenstern reiht sich in diese Debatte ein und stellt die Frage, ob mit der Technisierung nicht auch ein Verlust an Spiritualität und Tiefe einhergeht.

Auch heute bleibt seine Botschaft bedeutsam. In einer digitalen Welt, in der alles sofort verfügbar ist, erinnert sein Zitat daran, dass nicht alles Wissen oder jede Erfahrung algorithmisch erfasst werden sollte. Manchmal braucht es das Geheimnisvolle, um das Leben wirklich zu fühlen.

Daten zum Zitat

Autor:
Christian Morgenstern
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller und Dichter
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion