Guter Gatte und Vater, das trifft sich praxi nicht immer so paarweis, als wie die Strümpfe oder die Ohrfeig'n beisamm'. Es ist sehr leicht, ein guter Vater zu sein; guter Gatte, das ist schon mit viel mehr Schwierigkeiten verbunden. Die eigenen Kinder sind dem Vater gewiß immer die liebsten, und wenn's wahre Affen sein, so g'fallen ei'm doch die eigenen Affen besser als fremde Engeln. Hingegen hat man als Gatte oft eine engelschöne Frau, und momentan g'fallt ei'm a andere besser, die nicht viel hübscher ist als ein Aff'. Das sind die psychologischen Quadrillierungen, die das Unterfutter unseres Charakters bilden.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

In diesem Zitat von Johann Nepomuk Nestroy wird humorvoll die menschliche Natur und die Schwierigkeiten von Beziehungen thematisiert. Nestroy spricht die verschiedenen Herausforderungen an, die sowohl in der Vaterrolle als auch in der Rolle des Ehemanns bestehen. Der Vergleich zwischen dem 'guten Vater' und dem 'guten Gatten' zeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen in diesen beiden Rollen sein können. Während es leicht erscheint, ein guter Vater zu sein – da die eigenen Kinder einem immer am liebsten sind, egal wie sie sich verhalten –, stellt die Ehe eine größere Herausforderung dar. Die plötzliche Anziehung zu einer anderen Frau als der eigenen, trotz einer 'engelschönen' Ehefrau, macht auf die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Widersprüche in unseren Gefühlen aufmerksam.

Das Zitat verdeutlicht auf humorvolle Weise die „psychologischen Quadrillierungen“, also die inneren Widersprüche und komplexen Dynamiken, die das menschliche Verhalten prägen. Es spricht die Spannung zwischen den idealen Vorstellungen von Vater- und Eherollen und der Realität menschlicher Unvollkommenheit und emotionaler Unbeständigkeit an.

Es regt dazu an, über die widersprüchlichen und oft schwer fassbaren Aspekte von Beziehungen nachzudenken und über die Herausforderungen, die sie mit sich bringen. Besonders in der Rolle des Ehemanns wird die Unsicherheit und Unbeständigkeit der menschlichen Begierden und Bedürfnisse thematisiert. Das Zitat zeigt uns die Schwächen und Herausforderungen auf, die in jeder Beziehung verborgen sind, und lädt uns ein, diese mit einer Mischung aus Humor und kritischer Reflexion zu betrachten.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy war ein österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Satiriker des 19. Jahrhunderts, der für seine scharfsinnigen und humorvollen Darstellungen menschlicher Schwächen bekannt war. In seinen Werken befasste er sich oft mit den Widersprüchen des menschlichen Charakters und den Herausforderungen des alltäglichen Lebens. In diesem Zitat von Nestroy wird auf eine humorvolle und leicht sarkastische Weise die Schwierigkeit thematisiert, in verschiedenen sozialen Rollen zu glänzen, insbesondere in der Rolle des Ehemanns und Vaters.

Das Zitat spiegelt auch Nestroys Sichtweise auf die menschliche Natur wider, die er oft als von inneren Konflikten geprägt darstellte. In einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Erwartungen an das Verhalten von Vätern und Ehemännern hoch waren, beleuchtet Nestroy die Doppelmoral und die psychologischen Spannungen, die mit diesen Rollen einhergingen.

Philosophisch betrachtet steht dieses Zitat in Verbindung mit Nestroys skeptischer Haltung gegenüber gesellschaftlichen Idealen und Konventionen. Die humorvolle Darstellung menschlicher Schwächen und die Betonung der inneren Widersprüche stellen die Normen der Gesellschaft infrage und fordern eine kritischere Betrachtung der Rollenbilder, die Männern zugeschrieben werden.

Auch heute bleibt dieses Zitat von Bedeutung, da es die zeitlosen Herausforderungen von Beziehungen und die Komplexität menschlicher Emotionen thematisiert. Es erinnert uns daran, dass die menschliche Psyche oft von Widersprüchen und Unbeständigkeit geprägt ist, besonders in den intimsten Bereichen unseres Lebens.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion