Fein war er eigentlich nicht, allein er verstund doch die Kunst, wenn er es bedurfte, zuweilen auf seinen Nebenmenschen zu reiten.
- Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat
Georg Christoph Lichtenbergs Zitat wirft ein kritisches Licht auf menschliches Verhalten, insbesondere auf die Fähigkeit, andere Menschen für persönliche Zwecke auszunutzen. Die Aussage ist geprägt von einer gewissen ironischen Distanz, typisch für Lichtenbergs Stil, und regt dazu an, über Ethik und soziale Dynamiken nachzudenken.
Der Ausdruck „auf seinen Nebenmenschen zu reiten“ beschreibt eine Form von Opportunismus, bei der jemand bereit ist, die eigenen Interessen über die Bedürfnisse und Würde anderer zu stellen. Lichtenberg scheint hier sowohl eine gewisse Bewunderung für die Kunstfertigkeit dieses Verhaltens zu äußern als auch dessen moralische Fragwürdigkeit anzudeuten.
Das Zitat fordert dazu auf, unsere eigenen Handlungen zu reflektieren: Sind wir manchmal bereit, unsere Prinzipien beiseitezulegen, wenn der Nutzen groß genug erscheint? Und wie oft bemerken wir, wenn andere dies uns gegenüber tun?
In einer Welt, in der Wettbewerb und Erfolg oft hoch geschätzt werden, ist Lichtenbergs Kommentar eine Erinnerung daran, dass Macht und Einfluss auch ethische Verantwortung mit sich bringen. Die Aussage inspiriert dazu, einen ausgewogenen Weg zu suchen, der persönliche Ziele mit Rücksicht auf andere verbindet, und hinterfragt gleichzeitig die gesellschaftlichen Werte, die solche Verhaltensweisen fördern.
Zitat Kontext
Georg Christoph Lichtenberg war ein deutscher Physiker, Schriftsteller und Aphoristiker des 18. Jahrhunderts, bekannt für seine scharfsinnigen und oft ironischen Beobachtungen über die Gesellschaft und das menschliche Verhalten. Das vorliegende Zitat stammt aus einer Zeit, in der die sozialen Strukturen stark hierarchisch geprägt waren und persönliche Macht oft durch den geschickten Umgang mit anderen gewonnen oder erhalten wurde.
Lichtenbergs Worte spiegeln die Aufklärungszeit wider, die einerseits die Rationalität und Ethik betonte, andererseits aber auch eine nüchterne Analyse menschlicher Schwächen und Strategien erlaubte. Seine Kritik zielt weniger auf eine bestimmte Person als auf ein Verhalten, das in fast allen sozialen Systemen zu finden ist – damals wie heute.
Im Kontext seiner Zeit könnte Lichtenberg auf die Intrigen und Machtspiele an den Höfen und in den höheren Gesellschaftsschichten anspielen, wo Opportunismus und Manipulation oft als notwendige Überlebensstrategien galten. Zugleich ist das Zitat universell und zeitlos, da es grundlegende menschliche Eigenschaften thematisiert.
Die heutige Relevanz zeigt sich in den Bereichen Politik, Wirtschaft oder sogar im Alltag. Lichtenbergs Beobachtung lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir uns in einem sozialen Gefüge positionieren, wie Machtverhältnisse entstehen und welche Rolle Ethik in diesen Dynamiken spielen sollte.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Georg Christoph Lichtenberg
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
- Epoche:
- Aufklärung
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- Emotion:
- Keine Emotion