Ein Mann, der sich im Gespräche mit seiner Frau widerlegt fühlt, fängt sogleich an, sie zu überschreien. Er will und kann, ja er soll beweisen, daß ihm immer, auch wenn er falsch singt, die erste Stimme gebührt.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbach bringt mit spitzer Beobachtung eine Dynamik zur Sprache, die in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen vorkommt. Ihr Zitat beleuchtet ein Machtspiel, das oft aus Unsicherheit oder dem Bedürfnis nach Dominanz resultiert. Der Mann, der sich durch Argumente widerlegt fühlt, greift zur Lautstärke, um vermeintlich Kontrolle zu behalten. Dies verdeutlicht, wie Schwäche oder Unsicherheit sich in aggressivem Verhalten äußern können.

Die Aussage fordert dazu auf, über Kommunikationsmuster in Beziehungen nachzudenken. Sie regt an, Konflikte nicht als Bedrohung, sondern als Möglichkeit zu sehen, gemeinsam zu wachsen. Das Zitat wirft auch die Frage auf, wie Gleichberechtigung in der Kommunikation erreicht werden kann, und mahnt, dass Respekt und Zuhören essenzielle Bestandteile eines Dialogs sind.

In einem weiteren Sinne thematisiert die Aussage patriarchale Strukturen, die lange Zeit die Gesellschaft geprägt haben. Sie kritisiert auf subtile Weise das gesellschaftliche Rollenverständnis, das Männern oft das letzte Wort zuschrieb. Das Zitat bleibt aktuell, da es aufzeigt, wie wichtig es ist, Machtstrukturen zu hinterfragen und respektvolle Kommunikation zu fördern.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach war bekannt für ihre scharfsinnige Gesellschaftskritik und ihre Fähigkeit, Alltagsphänomene präzise zu analysieren. Dieses Zitat stammt aus einer Zeit, in der die patriarchale Ordnung in Familien und Gesellschaft kaum hinterfragt wurde. Frauen hatten oft keine gleichberechtigte Stimme, weder in der Öffentlichkeit noch in privaten Gesprächen.

Ihre Worte spiegeln den Wunsch wider, diese Dynamik zu beleuchten und einen Diskurs über Gleichberechtigung und respektvolle Kommunikation anzuregen. In einer Ära, in der Frauenrechte noch weitgehend unterdrückt wurden, sind ihre Aussagen ein wichtiger Beitrag zur Emanzipation und zum Nachdenken über Geschlechterrollen.

Auch heute hat dieses Zitat Relevanz. Es fordert dazu auf, Kommunikationsmuster zu analysieren, Machtverhältnisse zu hinterfragen und eine Kultur des Zuhörens und Respekts zu fördern – sowohl in Beziehungen als auch in der Gesellschaft insgesamt.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion