Dieser elendeste romanische Jargon, diese schlechte Verstümmelung lateinischer Wörter, diese Sprache, welche auf ihre ältere und viel edlere Schwester, die italienische, mit Ehrfurcht hinaussehen sollte, diese Sprache, welche den ekelhaften Nasal en, on, un, zum schluckaufartigen so unaussprechlich widerwärtigen Accent auf der letzten Silbe, während alle anderen Sprachen die sanft und beruhigend wirkende lange Penultima haben, diese Sprache, in der es kein Metrum gibt, sondern nur den Reim allein. (Quelle: Parerga und Paralipomena; griechisch; deutsch etwa: „Beiwerke und Nachträge“; 1851)
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
In diesem Zitat von Arthur Schopenhauer kritisiert der Philosoph in scharfem Ton die romanischen Sprachen, insbesondere das Französische, und stellt sie im Vergleich zur italienischen Sprache als minderwertig dar. Schopenhauer, bekannt für seine kritischen und oft negativen Ansichten über viele Aspekte der menschlichen Kultur, drückt seine Abneigung gegenüber der phonetischen Struktur und dem Klang des Französischen aus. Dabei verweist er auf die 'widerwärtigen' Nasallaute und kritisiert die Betonung auf der letzten Silbe, die er als unangenehm empfindet, im Gegensatz zu der beruhigenden Penultima-Betonung in anderen Sprachen.
Das Zitat kann als Ausdruck von Schopenhauers allgemeinem Misstrauen gegenüber der Ästhetik und der kulturellen Entwicklung in vielen Bereichen verstanden werden. In seiner Philosophie hat er häufig die Kultur und die Entwicklungen der Zeit als oberflächlich und verwirrend kritisiert. Hier übt er seinen gewohnt scharfsinnigen Blick auf die Sprachen aus und stellt fest, dass der „romanische Jargon“ seine „ältere und edlere Schwester“, die italienische Sprache, im Ansehen hinter sich lässt.
Das Zitat lädt dazu ein, über die Rolle der Sprache in der Wahrnehmung von Kultur und Gesellschaft nachzudenken. Schopenhauer benutzt hier seine Kritik an der Sprache als ein Beispiel für seine allgemeine Haltung gegenüber der Welt, die er als unvollkommen und von Unzulänglichkeiten durchzogen betrachtete. Es fordert uns heraus, die Art und Weise zu hinterfragen, wie kulturelle Elemente, wie Sprache, bewertet und hierarchisiert werden.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer war ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, der für seine pessimistischen Ansichten über das Leben und die menschliche Natur bekannt war. In seinem Werk 'Parerga und Paralipomena' aus dem Jahr 1851, einer Sammlung von Essays und Aphorismen, thematisiert Schopenhauer viele Aspekte der Philosophie, Literatur und Kultur. Das Zitat über die romanischen Sprachen ist ein gutes Beispiel für seine scharfe Kritik an vielen kulturellen und intellektuellen Strömungen seiner Zeit.
Historisch gesehen war Schopenhauer in einer Zeit tätig, in der die Romantik und das Aufkommen des deutschen Idealismus viele philosophische Diskussionen bestimmten. Schopenhauer stand diesen Bewegungen kritisch gegenüber und lehnte deren Ideale oft ab. Im Hinblick auf die romanischen Sprachen und die Literatur war Schopenhauer ein Verfechter der klassischen und der deutschen Sprache, die er als klarer und ästhetisch überlegen ansah.
Philosophisch steht dieses Zitat im Einklang mit Schopenhauers Ansicht über die kulturellen und künstlerischen Produktionen seiner Zeit. Er glaubte, dass viele kulturellen Bewegungen nur oberflächliche und unvollständige Ausdrücke des menschlichen Leidens und der Unzulänglichkeit waren. Das Zitat reflektiert seine tiefe Skepsis gegenüber der Schönheit und Perfektion der gesellschaftlichen Normen und seiner ständigen Suche nach dem, was er als die wahre Essenz der menschlichen Existenz betrachtete.
Auch heute bleibt das Zitat relevant, da es die oft kritisch beäugte Auseinandersetzung mit der Kultur und den Ausdrucksformen der Gesellschaft widerspiegelt. In einer Welt, die zunehmend globalisiert und von unterschiedlichen Sprachen und Kulturen geprägt ist, fordert Schopenhauer uns heraus, zu hinterfragen, wie und warum bestimmte Kulturen und ihre Ausdrucksformen als überlegen oder unterlegen angesehen werden.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
- Mehr?
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- Emotion:
- Keine Emotion