Die Verehrung verträgt nämlich nicht die Nähe; sondern hält sich fast immer in der Ferne auf; weil sie, bei persönlicher Gegenwart des Verehrten, wie Butter an der Sonne schmilzt.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer bringt in diesem Zitat eine tiefgehende psychologische Beobachtung zum Ausdruck: Die Tendenz, Menschen, die wir aus der Ferne bewundern, bei direkter Begegnung oft enttäuschend zu erleben.
Viele Menschen werden in der Vorstellung idealisiert – sei es durch Ruhm, Macht oder künstlerische Leistungen. Doch sobald man ihnen persönlich begegnet, zeigt sich, dass sie, trotz ihrer Talente oder Erfolge, ebenso fehlerhaft und menschlich sind wie jeder andere. Die Verehrung schmilzt dahin, weil die Realität nicht mit der idealisierten Vorstellung mithalten kann.
Dieses Phänomen lässt sich in vielen Bereichen beobachten, sei es in der Politik, im Showbusiness oder in der Wissenschaft. Helden oder Idole erscheinen oft makellos, solange sie auf Distanz bleiben. Doch in der Nähe werden ihre Schwächen sichtbar, was die Bewunderung relativiert oder sogar zerstört.
Schopenhauers Zitat regt dazu an, die eigene Idealisierung von Personen zu hinterfragen. Warum neigen wir dazu, Menschen aus der Ferne überhöht zu betrachten? Und warum ist es oft so schwierig, sie in ihrer ganzen Realität anzunehmen? Es erinnert uns daran, dass niemand unfehlbar ist – und dass wahre Wertschätzung nicht in der blinden Bewunderung liegt, sondern im Verständnis für die Komplexität jedes Individuums.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, der für seine pessimistische Weltsicht und seine tiefgehenden Analysen über das menschliche Verhalten bekannt ist. Seine Philosophie betonte die Unvollkommenheit der Welt und die Illusionen, denen Menschen oft unterliegen.
Das Zitat reflektiert eine zentrale Einsicht seiner Anthropologie: Menschen neigen dazu, das Ferne zu idealisieren und das Nahe kritisch zu sehen. Dies passt auch zu Schopenhauers Überzeugung, dass menschliche Erwartungen oft enttäuscht werden, weil sie auf falschen Vorstellungen beruhen.
Sein Gedanke bleibt hochaktuell. In Zeiten von Social Media und öffentlicher Darstellung wird oft ein perfektes Bild von Persönlichkeiten gezeichnet, das in der Realität kaum Bestand hat. Wenn Menschen die Möglichkeit haben, ihre Idole näher kennenzulernen, erleben sie häufig eine Entzauberung.
Schopenhauers Zitat lehrt uns, dass wahre Anerkennung nicht auf distanzierten Illusionen basieren sollte, sondern auf einem realistischen Blick auf Menschen – mit all ihren Stärken und Schwächen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion