Die Theorie scheint zu sein, dass ein Mensch, solange er ein Versager ist, ein Kind Gottes ist, aber dass er, sobald er Erfolg hat, vom Teufel übernommen wird.
- Henry Louis Mencken

Klugwort Reflexion zum Zitat
Henry Louis Mencken, bekannt für seine scharfsinnigen und oft satirischen Kommentare zur Gesellschaft, trifft in diesem Zitat einen treffenden Punkt über die Ambivalenz der menschlichen Moral und die soziale Wahrnehmung von Erfolg. Mencken spiegelt eine weit verbreitete, aber oft widersprüchliche Haltung wider: Die Gesellschaft neigt dazu, denjenigen, der im Leben scheitert, zu schonen und als Opfer einer höheren Macht oder göttlicher Gnade zu betrachten, während sie gleichzeitig Erfolg und Wohlstand mit moralischen Zweifeln und sogar negativen Konnotationen belegt.
Mencken hinterfragt auf ironische Weise diese Doppelmoral. Er spielt auf die Vorstellung an, dass Menschen, die in der Gesellschaft als moralisch tugendhaft und bescheiden gelten, oft jene sind, die gescheitert sind oder wenig Einfluss haben, während diejenigen, die Erfolg haben, als machthungrig oder sogar als „vom Teufel übernommen“ wahrgenommen werden. In einer Gesellschaft, die immer mehr auf materiellen Erfolg ausgerichtet ist, stellt sich die Frage, warum Erfolg in vielen Kulturen immer noch als moralisch ambivalent betrachtet wird.
Das Zitat regt dazu an, die moralischen Urteile, die mit Erfolg und Misserfolg verbunden sind, zu hinterfragen. Warum wird oft dem Erfolgreichen unterstellt, dass er seine Menschlichkeit oder seine moralische Integrität verloren hat? In der heutigen Zeit, in der Erfolg häufig mit unethischen Praktiken und Gier assoziiert wird, lädt Mencken dazu ein, die komplexe Beziehung zwischen Moral und Erfolg neu zu denken und sich gegen einfache Stereotype zu wehren. Es ist eine Mahnung, dass Erfolg nicht automatisch mit Verlust der Tugend einhergehen muss, ebenso wenig wie Misserfolg als Beweis für moralische Reinheit dienen kann.
Zitat Kontext
Henry Louis Mencken war ein amerikanischer Journalist, Essayist und Kulturkritiker, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung hatte. Besonders bekannt war er für seine scharfe Kritik an der amerikanischen Gesellschaft, ihren Institutionen und Werten. Mencken war ein scharfsinniger Beobachter, der oft die Widersprüche und Ironien der Gesellschaft aufdeckte, und dieses Zitat ist ein Beispiel für seine satirische Auseinandersetzung mit sozialen Normen und Moralvorstellungen.
Zu Menckens Zeit war die amerikanische Gesellschaft stark von religiösen und moralischen Normen geprägt, die in vielen Fällen mit einem einfachen, binären Verständnis von Gut und Böse arbeiteten. Der „Erfolg“ eines Individuums wurde oft mit einer moralischen Bewertung verbunden – wer Erfolg hatte, galt als hart arbeitend und „würdig“, während diejenigen, die als „Versager“ galten, häufig als unschuldige Opfer oder als demütige, tugendhafte Menschen angesehen wurden. Mencken zog es vor, diese idealisierten Bilder zu entlarven und die heuchlerischen Züge der Gesellschaft aufzuzeigen.
In der heutigen Zeit bleibt das Zitat von Mencken besonders relevant, da es auf die moralische Ambivalenz hinweist, die mit wirtschaftlichem Erfolg und sozialem Aufstieg verbunden ist. Der Erfolg eines Individuums wird heute oft mit Fragen der Ethik und der sozialen Verantwortung verbunden – von der Art und Weise, wie Reichtum erlangt wird, bis zu den Auswirkungen von Erfolg auf das Verhalten. Menckens Kritik an dieser Doppelmoral fordert uns weiterhin auf, den Erfolg nicht nur durch die Linse des materiellen Wohlstands zu betrachten, sondern auch die ethischen und sozialen Aspekte des Erfolgs zu hinterfragen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Henry Louis Mencken
- Tätigkeit:
- US Schriftsteller, Journalist, Kulturkritiker und Sprachwissenschaftler
- Epoche:
- Moderne
- Emotion:
- Keine Emotion