Die Menschheit wirtschaftet drauf los; sie braucht ihr geistiges Kapital für ihre Erfindungen auf und behält nichts für deren Betrieb.
- Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat
Karl Kraus’ Zitat kritisiert die unüberlegte und oft kurzsichtige Art, wie die Menschheit mit ihren geistigen Ressourcen umgeht. Er beschreibt eine Gesellschaft, die ihren kreativen und intellektuellen Reichtum für die Entwicklung neuer Ideen und Technologien erschöpft, ohne ausreichend darüber nachzudenken, wie diese nachhaltig betrieben und in Einklang mit moralischen oder sozialen Prinzipien genutzt werden können.
Die Aussage zeigt eine Diskrepanz zwischen Schöpfung und Verantwortung: Während die Menschheit große Anstrengungen unternimmt, um zu erfinden und zu innovieren, wird die langfristige Pflege und Nutzung dieser Errungenschaften vernachlässigt. Kraus deutet an, dass dieses Ungleichgewicht nicht nur Ressourcen verschwendet, sondern auch zu Problemen führt, die die Gesellschaft langfristig belasten können – sei es durch ethische Dilemmata, soziale Ungleichheit oder ökologische Schäden.
Das Zitat regt dazu an, über die Art nachzudenken, wie Fortschritt definiert wird. Ist es wirklich Fortschritt, wenn Erfindungen gemacht werden, deren Betrieb und Folgen nicht bedacht sind? Kraus fordert dazu auf, nachhaltiger und bewusster mit den intellektuellen und kreativen Ressourcen der Menschheit umzugehen und Verantwortung für die Auswirkungen von Innovationen zu übernehmen. Sein Gedanke erinnert daran, dass wahre Entwicklung nicht nur in der Schaffung neuer Dinge liegt, sondern auch in der Fähigkeit, diese in einer Weise zu nutzen, die der Gesellschaft und der Umwelt zugutekommt.
Im Kern ist Kraus’ Aussage eine Mahnung, die Balance zwischen Kreativität und Nachhaltigkeit zu finden. Sie fordert uns auf, nicht nur geistiges Kapital für neue Ideen aufzuwenden, sondern auch sicherzustellen, dass diese Ideen mit Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein umgesetzt werden.
Zitat Kontext
Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller und Satiriker des frühen 20. Jahrhunderts, war bekannt für seine scharfe Kritik an Gesellschaft, Politik und Kultur. Dieses Zitat spiegelt seine Skepsis gegenüber dem rasanten technischen und wirtschaftlichen Fortschritt seiner Zeit wider, insbesondere im Hinblick auf die mangelnde Reflexion über die langfristigen Konsequenzen dieses Fortschritts.
In der Zeit von Kraus erlebte die Welt eine Phase intensiver Industrialisierung und technologischer Innovationen. Gleichzeitig war diese Epoche durch soziale Spannungen und den Ersten Weltkrieg geprägt, die die Schattenseiten eines ungezügelten Fortschritts deutlich machten. Kraus sah in der unreflektierten Nutzung geistiger Ressourcen einen Grund für viele der gesellschaftlichen und moralischen Herausforderungen seiner Zeit.
Auch heute ist das Zitat hochaktuell. In einer Welt, die von technologischen Durchbrüchen wie künstlicher Intelligenz und genetischer Manipulation geprägt ist, erinnert es daran, dass Innovation allein nicht ausreicht. Ohne einen Plan für die verantwortungsvolle Nutzung und die Berücksichtigung der langfristigen Auswirkungen können solche Erfindungen mehr Schaden als Nutzen bringen.
Kraus’ Worte sind eine zeitlose Mahnung, Fortschritt nicht nur als technisches, sondern auch als ethisches und nachhaltiges Konzept zu begreifen. Sie fordern uns auf, über den Wert und die Verwendung unseres geistigen Kapitals nachzudenken und eine Balance zwischen Kreativität und Verantwortung zu finden, die sowohl der Gegenwart als auch der Zukunft dient.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Karl Kraus
- Tätigkeit:
- österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion