Die Leidenschaft für das Schachspiel ist eine der unerklärlichsten der Welt. Sie verpasst der Theorie der natürlichen Auslese eine Ohrfeige. Es ist die fesselndste aller Beschäftigungen. Die am wenigsten befriedigende aller Begierden. Ein namenloser Auswuchs des Lebens. Sie vernichtet einen Menschen. Du hast, sagen wir mal, einen vielversprechenden Politiker, einen aufstrebenden Künstler, den du vernichten willst. Dolch oder Bombe sind archaisch und unzuverlässig - aber lehre ihn, impfe ihn mit Schach.

- Herbert George Wells

Herbert George Wells

Klugwort Reflexion zum Zitat

Herbert George Wells beschreibt in diesem Zitat das Schachspiel als eine paradoxale Leidenschaft, die sowohl faszinierend als auch zerstörerisch wirken kann.

Die starke Metaphorik – das Schach als eine Waffe, die einen Menschen vernichten kann – wirft einen humorvoll-kritischen Blick auf die obsessive Natur des Spiels. Es ist fesselnd und zugleich unbefriedigend, da es unendliche Möglichkeiten bietet, aber selten endgültige Erfüllung bringt.

Wells kritisiert subtil, wie das Schachspiel den Geist gefangen nehmen und von produktiveren oder gesellschaftlich relevanteren Aktivitäten ablenken kann. Dies ist besonders interessant im Kontext von hochintellektuellen Berufen, bei denen die Faszination für Schach die eigentliche Lebensmission gefährden könnte.

Das Zitat regt dazu an, über die Natur von Obsessionen und deren Auswirkungen auf das Leben nachzudenken. Es zeigt, wie selbst scheinbar harmlose Leidenschaften das Potenzial haben, destruktiv zu wirken, wenn sie außer Kontrolle geraten.

Für den Leser ist dies eine humorvolle, aber zugleich tiefgründige Erinnerung, seine Leidenschaften in Balance zu halten und ihre Auswirkungen auf das eigene Leben kritisch zu betrachten.

Zitat Kontext

Herbert George Wells, bekannt als visionärer Schriftsteller und Denker, war ein scharfer Beobachter menschlicher Eigenheiten. Dieses Zitat spiegelt seine Fähigkeit wider, alltägliche Phänomene – wie die Faszination für das Schachspiel – in einen größeren Kontext zu stellen und humorvoll zu hinterfragen.

Im historischen Kontext des frühen 20. Jahrhunderts war Schach ein Symbol für Intellektualität und Strategie, aber auch für individuelle Obsessionen. Wells benutzt diese Metapher, um auf die mögliche Ablenkung von wichtigeren Zielen im Leben hinzuweisen.

Philosophisch lässt sich das Zitat in den Rahmen einer Reflexion über die Natur menschlicher Begierden einordnen, die oft gleichzeitig faszinieren und frustrieren. Es lädt dazu ein, die Balance zwischen Leidenschaft und Zweckmäßigkeit zu finden.

Auch heute bleibt die Botschaft aktuell, da sie auf die Herausforderung hinweist, Leidenschaften mit Maß zu genießen, um ihre positiven Aspekte zu bewahren und ihre potenziell negativen Auswirkungen zu vermeiden.

Daten zum Zitat

Autor:
Herbert George Wells
Tätigkeit:
britischer Schriftsteller, Historiker und Soziologe
Epoche:
Moderne
Mehr?
Alle Herbert George Wells Zitate
Emotion:
Keine Emotion