Die Gerechtigkeit ist immer gerecht. Sie meint, daß das Recht ohnedies Recht habe; folglich gibt sie's dem Unrecht.

- Karl Kraus

Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat

Karl Kraus’ Zitat ist eine scharfsinnige und provokante Kritik an der Justiz und ihrer manchmal blinden Anwendung von Gesetzen. Es legt die paradoxe Annahme offen, dass Gerechtigkeit automatisch durch die Anwendung des Rechts entsteht, ohne die moralische oder ethische Richtigkeit der Entscheidungen zu hinterfragen. Dadurch kann es passieren, dass formales Recht Unrecht begünstigt, anstatt es zu verhindern.

Das Zitat regt dazu an, über den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit nachzudenken. Während Recht die formale Auslegung von Gesetzen darstellt, ist Gerechtigkeit ein höherer moralischer Wert, der nicht immer durch Gesetzestexte definiert wird. Kraus zeigt, dass ein System, das sich ausschließlich auf das formale Recht verlässt, Gefahr läuft, Unrecht zu legitimieren, indem es keine kritische Reflexion über die moralischen Implikationen seiner Urteile zulässt.

In einer Welt, die zunehmend von rechtlichen und bürokratischen Prozessen geprägt ist, bleibt Kraus’ Botschaft relevant. Sie erinnert daran, dass Gerechtigkeit nicht nur in der Befolgung von Regeln liegt, sondern in der Fähigkeit, ethisch und empathisch zu handeln. Das Zitat ist eine Einladung, die Justiz kritisch zu hinterfragen und sicherzustellen, dass sie nicht nur das Recht, sondern auch die Gerechtigkeit schützt.

Zitat Kontext

Karl Kraus (1874–1936), ein österreichischer Schriftsteller, Satiriker und scharfer Kritiker seiner Zeit, war bekannt für seine tiefgründigen und oft bissigen Kommentare zu gesellschaftlichen, politischen und moralischen Themen. In einer Zeit, in der politische Korruption und juristische Willkür weit verbreitet waren, richtete Kraus seinen Zorn oft gegen Institutionen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden.

Dieses Zitat spiegelt seine Frustration über die Justiz wider, die er als formalistisch und oft moralisch blind kritisierte. Es zeigt, wie Kraus die Diskrepanz zwischen legaler Rechtsprechung und wahrer Gerechtigkeit thematisiert. Im Kontext der politischen und gesellschaftlichen Spannungen der frühen 20. Jahrhunderts bietet das Zitat eine eindringliche Reflexion über die Gefahren einer unreflektierten Rechtsanwendung.

Heute bleibt Kraus’ Einsicht aktuell. Sie fordert dazu auf, Rechtssysteme und ihre Anwendung kritisch zu hinterfragen und sicherzustellen, dass sie nicht nur die Buchstaben des Gesetzes, sondern auch den Geist der Gerechtigkeit wahren. Es ist ein Aufruf, Ethik und Mitgefühl in juristische Entscheidungen einzubringen, um wahres Unrecht zu verhindern.

Daten zum Zitat

Autor:
Karl Kraus
Tätigkeit:
österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion