Des Mannes Leidenschaft gleicht einem Feuerwerk, das bald gelöscht und wieder entfacht wird, weil ein Brand, der fortwährend glühen würde, zu vieles verzehren müsste.
- Hildegard von Bingen

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hildegard von Bingens Zitat ist eine poetische und zugleich tiefgründige Beobachtung über die Natur männlicher Leidenschaft. Sie vergleicht sie mit einem Feuerwerk – intensiv und spektakulär, aber kurzlebig und immer wieder von Neuem entzündbar. Ihre Beschreibung impliziert, dass diese intermittierende Art der Leidenschaft notwendig ist, um die zerstörerischen Auswirkungen eines unablässigen Brandes zu vermeiden, der alles in seiner Umgebung verzehren könnte.
Das Zitat lädt dazu ein, über die Dynamik von Leidenschaft und Energie im Leben nachzudenken. Es deutet an, dass Intensität und Kontrolle im Einklang stehen müssen, um Balance und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Für den Leser bietet sich die Möglichkeit, diesen Gedanken auf Beziehungen und persönliche Ambitionen zu übertragen: Sind wir in der Lage, unsere eigene Leidenschaft so zu kanalisieren, dass sie uns antreibt, ohne uns oder andere zu überfordern?
Hildegards Worte erinnern daran, dass Leidenschaft, obwohl sie ein treibender Motor im Leben ist, dosiert und reflektiert eingesetzt werden muss. Die Metapher des Feuerwerks fordert dazu auf, sowohl die Schönheit der Momente intensiver Gefühle zu schätzen als auch ihre Flüchtigkeit zu akzeptieren. Es ist ein Appell, nicht nur im Feuer der Leidenschaft zu leben, sondern auch die Phasen der Ruhe und Erneuerung zu würdigen.
Zitat Kontext
Hildegard von Bingen, eine der bedeutendsten Mystikerinnen und Gelehrten des Mittelalters, verband in ihren Schriften spirituelle Einsichten mit philosophischen und naturwissenschaftlichen Beobachtungen. Dieses Zitat spiegelt ihre ganzheitliche Sicht auf den Menschen und seine Leidenschaften wider. In einer Zeit, in der Spiritualität oft mit Askese und der Unterdrückung weltlicher Leidenschaften verbunden wurde, bietet Hildegard eine ausgewogene Perspektive, die die Rolle und die Begrenzungen der Leidenschaft anerkennt.
Historisch betrachtet entstanden Hildegards Werke in einer Epoche, die von patriarchalen Strukturen geprägt war, in denen Geschlechterrollen und die Natur der Geschlechter häufig diskutiert wurden. Ihre Analyse der männlichen Leidenschaft könnte als Versuch gesehen werden, die Balance zwischen körperlichen Trieben und spiritueller Kontrolle darzustellen. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass eine unkontrollierte Leidenschaft destruktiv wirken kann.
Philosophisch steht das Zitat in der Tradition der mittelalterlichen christlichen Ethik, die zwischen Maß und Übermaß unterscheidet. Es erinnert daran, dass Leidenschaft eine kraftvolle, aber auch gefährliche Energie ist, die weise gehandhabt werden muss. In der modernen Welt bleibt diese Botschaft aktuell, da sie zur Reflexion über den Umgang mit intensiven Emotionen und deren Auswirkungen auf unser Leben und unsere Beziehungen einlädt.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Hildegard von Bingen
- Tätigkeit:
- dt. Mystikerin, Benediktinerin, Komponistin, Schriftstellerin, Heilerin, Philosophin
- Epoche:
- Hochmittelalter
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- Emotion:
- Keine Emotion