Der vollkommene Atheist steht auf der vorletzten Stufe vor dem vollkommensten Glauben – ob er ihn nun erreicht oder nicht –, der Gleichgültige aber hat gar keinen Glauben mehr, nur eine erbärmliche Angst...

- Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Klugwort Reflexion zum Zitat

Dostojewskis Zitat beleuchtet auf faszinierende Weise die Beziehung zwischen Atheismus, Glauben und Gleichgültigkeit. Er deutet an, dass ein ‚vollkommener Atheist‘, der bewusst die Existenz eines höheren Wesens verneint, dennoch in einer aktiven Auseinandersetzung mit der Frage des Glaubens steht. Diese Auseinandersetzung könnte ihn schließlich zu einem tiefen, vollkommenen Glauben führen – selbst wenn er diesen Punkt nie erreicht.

Im Gegensatz dazu stellt Dostojewski den Gleichgültigen als jemanden dar, der sich überhaupt nicht mit Fragen des Glaubens oder der Existenz auseinandersetzt. Für ihn ist Gleichgültigkeit eine Sackgasse, geprägt von innerer Leere und ‚erbärmlicher Angst‘ – einem Zustand der Orientierungslosigkeit und Sinnlosigkeit. Das Zitat lädt dazu ein, den Wert des aktiven Nachdenkens und Suchens zu schätzen, unabhängig von der persönlichen Glaubensrichtung.

Dostojewski erinnert uns daran, dass Glaube nicht nur eine religiöse Kategorie ist, sondern auch eine Frage der Lebenseinstellung. Die Beschäftigung mit existenziellen Fragen – sei es durch Atheismus oder Glauben – bereichert das Leben und bewahrt uns vor der Gleichgültigkeit, die uns von Sinn und Tiefe trennt.

Zitat Kontext

Fjodor Michailowitsch Dostojewski, einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller, setzte sich in seinen Werken intensiv mit Fragen von Religion, Moral und menschlicher Existenz auseinander.

Dieses Zitat spiegelt die zentrale Rolle wider, die der Glaube – sei es in Gott, in Ideen oder in die Menschheit – in seinem Denken spielte. In einer Zeit, in der Russland tiefgreifende soziale und kulturelle Veränderungen durchlief und der Konflikt zwischen traditionellen religiösen Werten und aufkommenden atheistischen Ideologien wuchs, nahm Dostojewski eine vermittelnde Position ein.

Sein Werk zeigt, dass sowohl Glaube als auch Zweifel produktive Wege sein können, um Wahrheit und Bedeutung zu finden. Gleichzeitig verurteilt er die Gleichgültigkeit als Zustand, der das Streben nach Sinn aufgibt.

Auch heute bleibt Dostojewskis Zitat relevant, da es die Wichtigkeit einer aktiven Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen betont. In einer Welt, die oft von Oberflächlichkeit und Desinteresse geprägt ist, erinnert es uns daran, dass Sinn und Erfüllung aus der bewussten Reflexion über unser Leben und unsere Werte entstehen.

Daten zum Zitat

Autor:
Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Tätigkeit:
russischer Schriftsteller
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion