Der aus dem gemeinen kriechenden Stand Emporgekommene will stolz sein und kann es nicht, und ihm entfährt immer Höflichkeit gegen die alten Gegenstände.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Paul beschreibt in diesem Zitat die innere Zerrissenheit von Menschen, die sich aus bescheidenen Verhältnissen emporgearbeitet haben. Trotz ihres Wunsches, stolz und selbstbewusst ihren neuen Status zu repräsentieren, bleibt ein Teil ihrer Vergangenheit in Form von Höflichkeit und Demut präsent. Diese innere Dynamik zeigt, wie stark soziale Herkunft das Verhalten und die Selbstwahrnehmung prägt.
Das Zitat regt dazu an, über den Einfluss von Herkunft und sozialem Aufstieg auf die Identität nachzudenken. Jean Paul deutet an, dass Stolz auf den eigenen Erfolg oft von einer unterschwelligen Verbindung zu den Wurzeln begleitet wird. Diese Verbindung kann sowohl als Einschränkung wahrgenommen werden, als auch als ein Ausdruck von Authentizität und Bescheidenheit.
In einer Gesellschaft, die Erfolg und Aufstieg feiert, erinnert Jean Paul daran, dass wahre Größe nicht allein im Stolz, sondern auch in der Fähigkeit zur Höflichkeit und Dankbarkeit liegt. Es ist ein Plädoyer dafür, die eigene Vergangenheit nicht zu verleugnen, sondern sie als Teil der Persönlichkeit zu integrieren und mit Würde zu repräsentieren.
Zitat Kontext
Jean Paul, ein scharfer Beobachter menschlicher Schwächen und sozialer Dynamiken, lebte in einer Zeit, in der soziale Mobilität zwar möglich, aber immer noch selten war. Sein Zitat reflektiert die Spannungen, die durch den gesellschaftlichen Aufstieg entstehen können, insbesondere in einer ständisch geprägten Gesellschaft, in der Herkunft einen großen Einfluss auf das Selbstverständnis hatte.
Zur Zeit Jean Pauls war die höfische Etikette ein Ausdruck von Rang und Status, während die unteren Schichten oft als ‚gemein‘ betrachtet wurden. Menschen, die aus diesen Schichten aufstiegen, standen vor der Herausforderung, sich an neue soziale Erwartungen anzupassen, ohne ihre Wurzeln ganz ablegen zu können.
Auch heute bleibt das Zitat relevant, da soziale Mobilität und Identitätsfragen weiterhin zentrale Themen sind. Jean Pauls Worte erinnern uns daran, dass Aufstieg nicht nur eine äußere Veränderung bedeutet, sondern auch eine innere Auseinandersetzung erfordert. Sie laden dazu ein, Stolz und Bescheidenheit miteinander in Einklang zu bringen, um sowohl die eigene Vergangenheit zu ehren als auch den neuen Status mit Würde zu tragen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion