Das Wort Zeitvertreib sollte der Name einer Arznei, irgend eines Opiats, eines schlafmachenden Mittels sein, durch das uns auf dem Krankenbette die Zeit unmerklich verstreicht: aber nicht der Name eines Vergnügens.

- Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing

Klugwort Reflexion zum Zitat

Lessing kritisiert in diesem Zitat die Vorstellung, dass Zeitvertreib als Vergnügen angesehen wird.

Für ihn ist der Begriff ‚Zeitvertreib‘ eigentlich fehlplatziert – es klingt, als sei die Zeit eine Last, die man loswerden muss, ähnlich einem Schmerzmittel, das Leiden lindert. Doch Zeit ist unser wertvollstes Gut. Sie zu ‚vertreiben‘, als wäre sie störend, bedeutet letztlich, einen Teil unseres Lebens sinnlos verstreichen zu lassen.

Diese Perspektive regt zum Nachdenken an. In unserer modernen Gesellschaft gibt es viele Formen des Zeitvertreibs, die oft eher eine Ablenkung als eine Bereicherung sind – endloses Scrollen auf dem Smartphone, belanglose Serienmarathons oder sinnloses Warten. Ist das wirklich ein Vergnügen? Oder ist es nur ein Weg, das Bewusstsein für die eigene Existenz zu dämpfen?

Lessing fordert uns auf, Zeit bewusst zu nutzen. Anstatt sie ‚totzuschlagen‘, sollten wir sie mit Bedeutung füllen. Das bedeutet nicht, dass jede Minute produktiv sein muss, aber sie sollte wertgeschätzt und nicht als Hindernis betrachtet werden. Sein Zitat erinnert daran, dass Vergnügen aus aktiver Erfahrung, nicht aus passiver Zeitverschwendung entsteht.

Zitat Kontext

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) war einer der bedeutendsten Aufklärer Deutschlands. Seine Werke, darunter ‚Nathan der Weise‘, drehten sich oft um Vernunft, Bildung und die Reflexion menschlichen Handelns.

Dieses Zitat steht in Zusammenhang mit der aufklärerischen Idee, dass der Mensch sein Leben bewusst gestalten sollte. Die Aufklärung betonte die Eigenverantwortung des Individuums und den Wert der geistigen Entwicklung. In diesem Kontext kritisiert Lessing eine Gesellschaft, die Zeit als etwas betrachtet, das überbrückt oder ‚totgeschlagen‘ werden muss.

Im 18. Jahrhundert begann sich die Freizeitgestaltung zu verändern. Während Arbeit für viele Menschen existenziell notwendig war, entwickelte sich in wohlhabenderen Kreisen ein Verständnis von Unterhaltung und Zerstreuung. Lessings Aussage könnte eine Warnung davor sein, dass zu viel passiver Konsum den Geist abstumpfen lässt.

Auch heute bleibt dieses Zitat aktuell. In einer Welt voller Ablenkungen stellt sich die Frage: Nutzen wir unsere Zeit sinnvoll? Oder lassen wir sie einfach verstreichen? Lessing ermutigt uns, bewusster mit unserer Zeit umzugehen und sie nicht einfach ‚zu vertreiben‘, als wäre sie eine lästige Last.

Daten zum Zitat

Autor:
Gotthold Ephraim Lessing
Tätigkeit:
deutscher Dichter, Schriftsteller, Philosoph und Dramatiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion