Das was man wahr empfindet auch wahr auszudrücken, das heißt mit jenen kleinen Beglaubigungszügen der Selbstempfindung, macht eigentlich den großen Schriftsteller, die gemeinen bedienen sich immer der Redensarten, die immer Kleider vom Trödelmarkt sind.

- Georg Christoph Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg

Klugwort Reflexion zum Zitat

Georg Christoph Lichtenberg betont in diesem Zitat die Essenz wahrer Schriftstellerei: die Fähigkeit, authentisch zu schreiben und die eigenen Empfindungen auf ehrliche Weise auszudrücken.

Die 'kleinen Beglaubigungszüge der Selbstempfindung' stehen dabei für die unverfälschte Individualität und die persönliche Erfahrung, die ein Werk einzigartig machen. Diese Reflexion lädt dazu ein, über die Bedeutung von Authentizität in der Literatur nachzudenken. Ein großer Schriftsteller zeichnet sich laut Lichtenberg dadurch aus, dass er nicht bloß konventionelle Phrasen wiederholt, sondern seine eigenen Empfindungen präzise und glaubhaft vermittelt.

Das Zitat kritisiert auch die 'gemeinen' Schriftsteller, die sich auf abgedroschene Redensarten verlassen. Diese Metapher des 'Trödelmarktes' zeigt, wie sehr standardisierte Ausdrücke und klischeehafte Formulierungen den Wert eines Textes mindern können. Es ruft dazu auf, originell zu sein und nicht auf vorgefertigte Muster zurückzugreifen.

Lichtenbergs Worte sind eine Einladung an jeden, der schreibt, mutig zu sein und die eigene Stimme zu finden. Sie erinnern uns daran, dass wahre Größe in der Literatur aus der Ehrlichkeit und Tiefe der Selbstausdrucks entsteht – nicht aus der Nachahmung oder dem Gebrauch vorgefertigter Phrasen.

Zitat Kontext

Georg Christoph Lichtenberg, ein deutscher Physiker, Schriftsteller und Satiriker des 18. Jahrhunderts, ist bekannt für seine tiefgründigen und oft humorvollen Aphorismen. Seine Gedanken sind eine Mischung aus Wissenschaft, Philosophie und Kunst.

Dieses Zitat stammt aus seinen 'Sudelbüchern', einer Sammlung von Beobachtungen und Reflexionen über die Welt und das menschliche Verhalten. In einer Zeit, in der die Literatur von klassischen Idealen geprägt war, hob Lichtenberg die Bedeutung der Authentizität hervor. Sein Aufruf, sich von Klischees und oberflächlichen Formulierungen zu distanzieren, war eine Reaktion auf den literarischen Konservatismus seiner Epoche.

Historisch betrachtet reflektieren Lichtenbergs Worte die aufkommende Romantik, die die subjektive Erfahrung und die Individualität des Künstlers betonte. Sein Werk zeigt, wie wichtig es ist, das eigene Empfinden als Grundlage für kreatives Schaffen zu nehmen, anstatt sich auf vorgefertigte Muster zu verlassen.

Heute ist dieses Zitat besonders relevant in einer Welt, in der Massenmedien und soziale Netzwerke oft die Authentizität gefährden. Lichtenbergs Einsicht fordert uns auf, in der Kunst und Kommunikation ehrlich und originell zu bleiben. Es erinnert uns daran, dass wahre Meisterwerke durch die persönliche Wahrheit des Schaffenden entstehen.

Daten zum Zitat

Autor:
Georg Christoph Lichtenberg
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller, Mathematiker, Physiker und Aphoristiker
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion