Das Tao ergreift nicht Partei; es bringt sowohl das Gute als auch das Böse hervor. Die Meister ergreifen nicht Partei; ihnen sind sowohl Heilige als auch Sünder willkommen.

- Laozi

Laozi

Klugwort Reflexion zum Zitat

Laozi beschreibt in diesem Zitat die fundamentale Natur des *Tao*, des universellen Weges oder Prinzips, das alle Dinge umfasst. Das *Tao* urteilt nicht über Gut und Böse – es ist die Quelle von beidem. Es gibt keine moralische Parteinahme, denn in der universellen Ordnung existieren Gegensätze nicht als absolute Werte, sondern als natürliche Kräfte, die im Gleichgewicht miteinander stehen.

Diese Sichtweise widerspricht westlichen dualistischen Konzepten, die oft eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse vornehmen. Im Daoismus hingegen wird das Leben als ein Fluss betrachtet, in dem Licht und Schatten, Gut und Böse, Geburt und Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Diejenigen, die das Tao meistern – die Weisen –, urteilen nicht und schließen niemanden aus, denn sie verstehen, dass Heilige und Sünder beide Teil desselben kosmischen Spiels sind.

Das Zitat regt dazu an, über die eigene Haltung gegenüber moralischen Urteilen nachzudenken. Können wir uns von der starren Kategorisierung in „gut“ und „böse“ lösen? Sind wir in der Lage, Menschen unabhängig von ihren Handlungen mit Offenheit zu begegnen? Laozi fordert uns auf, jenseits von Wertungen zu denken und eine tiefere, nicht-dualistische Perspektive auf die Welt zu entwickeln.

Kritisch könnte man fragen, ob eine solche Haltung nicht zu Gleichgültigkeit gegenüber moralischen Fragen führt. Doch Laozi propagiert keine Tatenlosigkeit oder Beliebigkeit, sondern eine umfassendere Sichtweise, die über einfache Schwarz-Weiß-Moral hinausgeht. Seine Worte erinnern uns daran, dass wahres Verstehen nicht in der Verurteilung liegt, sondern in der Akzeptanz des gesamten Spektrums des Lebens.

Zitat Kontext

Laozi (ca. 6. Jh. v. Chr.) ist der legendäre Begründer des Daoismus und Autor des *Tao Te Ching*, eines der bedeutendsten philosophischen Werke der chinesischen Tradition. Seine Lehren drehen sich um das Konzept des *Tao* (Weg) und *Wu Wei* (handeln im Einklang mit der natürlichen Ordnung).

Das Zitat steht im Kontext seiner Idee, dass das Universum nicht nach menschlichen Maßstäben urteilt. Laozi lehrt, dass der Weise nicht mit strengen moralischen Maßstäben agiert, sondern mit Mitgefühl und Verständnis – denn er erkennt, dass alles Teil desselben kosmischen Gleichgewichts ist.

Historisch betrachtet, wurde der Daoismus als eine Philosophie des Fließens und der Harmonie mit der Natur entwickelt, im Gegensatz zu den starren sozialen Regeln des Konfuzianismus. Die Idee, nicht über Gut und Böse zu urteilen, sondern beides als Teil des natürlichen Zyklus zu verstehen, war eine radikale Abkehr von traditionellen Wertvorstellungen.

Auch heute bleibt das Zitat aktuell. In einer Welt, die oft in Extremen denkt und in der Polarisierung zunimmt, erinnert Laozi daran, dass wahres Verständnis nicht im Urteilen, sondern in der Akzeptanz liegt. Seine Worte laden dazu ein, die Welt mit größerer Gelassenheit und Offenheit zu betrachten.

Daten zum Zitat

Autor:
Laozi
Tätigkeit:
chinesischer Philosoph
Epoche:
Frühe Antike
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Emotion:
Keine Emotion