Das Schicksal tut doch rein mit die Menschen, was es will; da kann man was sagen von einer Tyrannei. Nach den Grundsätzen des Fortschritts, sollt' es schon lang gar kein Schicksal mehr geben.
- Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat
Nestroys Zitat reflektiert auf humorvolle und zugleich tiefgründige Weise die Macht des Schicksals und den Widerspruch zwischen Determinismus und Fortschrittsglauben.
Er beschreibt das Schicksal als eine unberechenbare, fast tyrannische Kraft, die Menschen in Richtungen lenkt, die sie selbst nicht bestimmen können. Gleichzeitig stellt er fest, dass der Fortschritt eigentlich das Ziel haben sollte, das Schicksal zu überwinden. Dies ist eine ironische Kritik an der Annahme, dass Menschen ihr Leben vollständig kontrollieren können.
Die Aussage erinnert daran, dass trotz aller technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen immer noch Zufall und unvorhersehbare Ereignisse unser Leben prägen. Die Idee, das Schicksal durch Fortschritt abzuschaffen, erscheint bei genauerem Hinsehen paradox.
In der heutigen Zeit, in der Menschen versuchen, ihr Leben durch Planung und Selbstoptimierung zu kontrollieren, bleibt Nestroys Zitat aktuell. Es zeigt, dass trotz aller Fortschritte immer ein Element des Unvorhersehbaren bleibt – und dass es möglicherweise besser ist, dies mit Humor zu akzeptieren.
Zitat Kontext
Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) war ein österreichischer Dramatiker und Satiriker, der für seine scharfsinnigen, oft ironischen Betrachtungen über Gesellschaft und Politik bekannt war.
Dieses Zitat stammt aus einem seiner Stücke und zeigt seinen typischen Stil: eine Mischung aus Komik und Tiefsinn. Nestroy nutzte oft humorvolle Dialoge, um tiefgreifende philosophische Fragen zu stellen, wie hier die Frage nach dem Schicksal und dem Fortschritt.
Der historische Kontext dieses Zitats ist spannend: Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des rasanten technologischen und gesellschaftlichen Wandels. Viele glaubten, dass Wissenschaft und Fortschritt letztlich alle menschlichen Probleme lösen könnten. Nestroy nimmt diese Idee auf und stellt sie auf humorvolle Weise infrage.
Seine Worte haben auch heute noch Relevanz. In einer Zeit, in der viele Menschen glauben, ihr Leben durch Technologie und Planung vollkommen kontrollieren zu können, erinnert uns Nestroy daran, dass das Schicksal oft eine eigene Dynamik besitzt – eine Erkenntnis, die mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollte.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Johann Nepomuk Nestroy
- Tätigkeit:
- österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
- Epoche:
- Biedermeier
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- Emotion:
- Keine Emotion