Andererseits jedoch ließe sich sagen, dass nach erloschenem Geschlechtstrieb der eigentliche Kern des Lebens verzehrt und nur noch die Schale desselben vorhanden sei, ja, dass es einer Komödie gliche, die von Menschen angefangen, nachher von Automaten, in deren Kleidern, zu Ende gespielt werde.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer zeichnet in diesem Zitat ein düsteres Bild des Lebens nach dem Verlust des Geschlechtstriebs, den er als zentralen Antrieb und Lebensinhalt beschreibt. Mit der Metapher von der ‚Schale des Lebens‘ deutet er an, dass ohne diesen Trieb das Leben an essenzieller Energie und Vitalität verliert und zu einer Art mechanischer Routine wird. Die Vorstellung, dass das Leben dann nur noch von ‚Automaten‘ weitergeführt wird, unterstreicht eine Entfremdung vom eigentlichen Daseinszweck.
Die Reflexion zeigt, dass Schopenhauer hier nicht nur eine biologische Perspektive vertritt, sondern auch eine philosophische Überlegung über Sinn und Erfüllung anstellt. Wenn der Geschlechtstrieb als Symbol für Leidenschaft, Kreativität und das Streben nach Fortbestand gesehen wird, beschreibt sein Erlöschen einen Zustand der Leere und des Verlusts von Lebenssinn. Allerdings kann diese Sichtweise als einseitig empfunden werden, da sie die Möglichkeit ignoriert, dass Menschen auch durch andere Werte, Beziehungen oder intellektuelle Erfüllung Sinn finden können.
Das Zitat inspiriert dazu, über die Rolle grundlegender menschlicher Triebe und deren Einfluss auf unsere Lebensführung nachzudenken. Es fordert dazu auf, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was das Leben lebenswert macht, wenn bestimmte biologische oder emotionale Antriebe schwinden. Schopenhauers Worte sind ein provokanter Anstoß, den Kern des Lebens über reine Triebe hinaus zu hinterfragen und alternative Quellen der Sinnfindung zu entdecken.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer, ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, war bekannt für seine pessimistischen Ansichten über das menschliche Leben und seine starken Bezüge zur biologischen und psychologischen Verfasstheit des Menschen. Dieses Zitat spiegelt seine Überzeugung wider, dass der Geschlechtstrieb, als Ausdruck des ‚Willens zum Leben‘, eine zentrale Rolle im menschlichen Dasein spielt.
Im historischen Kontext seiner Zeit galt die Auseinandersetzung mit menschlichen Trieben als revolutionär. Schopenhauers Gedanken beeinflussten später andere Denker wie Nietzsche und Freud, die seine Betonung des Unbewussten und der Triebe weiterführten. Seine Beschreibung des Lebens als Komödie, die von Automaten zu Ende gespielt wird, kann auch als Kritik an der zunehmenden Mechanisierung und Entfremdung in der modernen Gesellschaft verstanden werden.
Auch heute bleibt das Zitat relevant, da es grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens und der menschlichen Motivation aufwirft. Es erinnert daran, wie wichtig es ist, über die Quellen von Vitalität und Erfüllung nachzudenken, und lädt dazu ein, das Leben in all seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit zu betrachten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion