Zwei sehr verschiedene Tugenden können einander lange und scharf befehden; der Augenblick bleibt nicht aus, in dem sie erkennen, daß sie Schwestern sind.
- Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat
Marie von Ebner-Eschenbachs Zitat beschreibt auf poetische Weise die Beziehung zwischen scheinbar gegensätzlichen Tugenden. Es deutet darauf hin, dass moralische oder charakterliche Werte, die auf den ersten Blick im Konflikt zu stehen scheinen, letztlich eine gemeinsame Grundlage oder ein gemeinsames Ziel teilen. Tugenden wie Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die oft in Widerspruch zueinander geraten, ergänzen einander letztlich, um ein harmonisches Ganzes zu schaffen.
Diese Einsicht lädt dazu ein, über die Natur moralischer Prinzipien nachzudenken. Konflikte zwischen Tugenden sind Teil des menschlichen Lebens, sei es auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene. Ebner-Eschenbach erinnert uns daran, dass diese Konflikte nicht unbedingt unauflösbar sind. Vielmehr können sie zu einem tieferen Verständnis der Werte führen, die uns leiten. Der Moment der ‚Erkenntnis‘, dass diese Tugenden letztlich Schwestern sind, ist ein Aufruf zur Reflexion und Integration verschiedener Perspektiven.
Das Zitat ermutigt, in Konflikten zwischen verschiedenen Werten nicht nur die Gegensätze zu sehen, sondern auch die Möglichkeit einer höheren Einheit. Es spricht für Toleranz und die Bereitschaft, die Tiefe und Komplexität moralischer Prinzipien zu erfassen, statt sich von scheinbaren Widersprüchen entmutigen zu lassen.
Zitat Kontext
Marie von Ebner-Eschenbach, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts, war bekannt für ihre scharfsinnigen und feinfühligen Beobachtungen menschlicher und moralischer Dilemmata. Ihr Werk ist geprägt von der Suche nach Verständigung und Harmonie in einer von Spannungen und Widersprüchen geprägten Welt. Dieses Zitat könnte als Ausdruck ihrer Überzeugung verstanden werden, dass auch in moralischen Konflikten letztlich eine höhere Einheit oder Versöhnung möglich ist.
Historisch gesehen spiegelt das Zitat die Auseinandersetzungen des 19. Jahrhunderts wider, in denen Ideale wie Gerechtigkeit, Freiheit, Mitgefühl und Ordnung oft gegeneinander ausgespielt wurden. Ebner-Eschenbach zeigt, dass scheinbare Gegensätze in Wahrheit miteinander verbunden sind und letztlich zur Stärkung der Gemeinschaft beitragen können.
In der heutigen Zeit ist diese Einsicht von großer Bedeutung, da moralische und ethische Konflikte in einer globalisierten Welt zunehmen. Das Zitat lädt dazu ein, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und unterschiedliche Werte als ergänzende Aspekte eines größeren Ganzen zu betrachten. Es ist eine zeitlose Erinnerung daran, dass Versöhnung und Integration wichtiger sind als dauerhafte Polarisierung.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Marie von Ebner-Eschenbach
- Tätigkeit:
- Österreichische Schriftstellerin
- Epoche:
- Realismus
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- Emotion:
- Keine Emotion