Zu seinem Freunde wird wohl jeder lieber den Redlichen, den Gutmütigen, ja selbst den Gefälligen, Nachgiebigen und leicht Beistimmenden wählen, als den bloß Geistreichen.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauer beschreibt in diesem Zitat eine tiefe Wahrheit über zwischenmenschliche Beziehungen: Bei der Wahl eines Freundes bevorzugen die meisten Menschen nicht Intellekt oder geistige Brillanz, sondern Charaktereigenschaften wie Redlichkeit, Güte und Nachgiebigkeit.
Dies legt nahe, dass Freundschaften weniger durch intellektuelle Übereinstimmung als durch zwischenmenschliche Wärme und Verlässlichkeit entstehen. Ein geistreicher Mensch kann unterhaltsam und faszinierend sein, doch wenn es an Empathie, Loyalität oder Vertrauen fehlt, reicht dies oft nicht aus, um eine echte Bindung zu schaffen.
Das Zitat regt dazu an, über die Natur wahrer Freundschaft nachzudenken. Was schätzen wir wirklich an den Menschen um uns herum? Während Intelligenz bewundert wird, ist sie nicht immer ein Garant für tiefe, emotionale Verbindungen. Freundschaft erfordert nicht nur Bewunderung, sondern auch Verlässlichkeit und gegenseitige Unterstützung.
Kritisch könnte man fragen, ob Nachgiebigkeit und Gefälligkeit immer wünschenswerte Eigenschaften sind. Sollte ein wahrer Freund nicht auch in der Lage sein, konstruktive Kritik zu äußern oder unbequeme Wahrheiten auszusprechen? Schopenhauers Aussage mag zutreffen, wenn es um angenehme Gesellschaft geht – doch für eine tiefe, aufrichtige Freundschaft könnte es auch wichtig sein, jemanden zu haben, der nicht nur zustimmt, sondern auch herausfordert.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer (1788–1860) war ein deutscher Philosoph, der für seinen Pessimismus und seine tiefgehenden Analysen über menschliche Natur und Beziehungen bekannt war. Er betrachtete viele zwischenmenschliche Dynamiken aus einer nüchternen, oft zynischen Perspektive.
Das Zitat steht im Kontext seiner Überlegungen zur menschlichen Psychologie und zum sozialen Leben. Während viele Philosophen die intellektuelle Brillanz hochhielten, sah Schopenhauer Freundschaft eher als eine emotionale Verbindung, die nicht auf Geist, sondern auf Charaktereigenschaften beruht.
Historisch betrachtet, entstanden Schopenhauers Werke in einer Zeit, in der das Bürgertum zunehmend nach Anerkennung und Prestige strebte. Während intellektuelle Salons und Debatten blühten, blieb die Frage: Ist Intellekt allein genug für zwischenmenschliche Beziehungen? Schopenhauer argumentiert, dass letztlich Charakter über Geist triumphiert.
Auch heute bleibt das Zitat relevant. In einer Welt, in der Leistung und Intellekt oft überbetont werden, stellt sich die Frage, was wirklich zählt. Schopenhauers Worte erinnern daran, dass in engen Beziehungen nicht Klugheit, sondern Verlässlichkeit, Wärme und Integrität die entscheidenden Faktoren sind.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion