Wurzel alles Übels Einig zu sein, ist göttlich und gut; woher ist die Sucht denn Unter den Menschen, daß nur Einer und Eines nur sei?
- Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat
Friedrich Hölderlins Zitat beleuchtet die menschliche Neigung zur Vereinheitlichung und fragt kritisch nach den Konsequenzen dieser Sucht, dass „nur Einer und Eines nur sei“. Er kontrastiert diese menschliche Haltung mit der göttlichen Idee der Einigkeit, die eine harmonische und universale Verbindung darstellt.
Die zentrale Reflexion liegt in der Unterscheidung zwischen Einigkeit und Vereinheitlichung. Einigkeit, wie Hölderlin sie beschreibt, ist göttlich, weil sie Diversität und Individualität respektiert und gleichzeitig eine höhere Harmonie ermöglicht. Sie steht für die Fähigkeit, in Vielfalt verbunden zu sein. Die menschliche Sucht nach „nur Einer und Eines“ hingegen führt zu Monokultur, Dominanz und Ausgrenzung. Sie entspringt möglicherweise einem tiefen Wunsch nach Kontrolle und Sicherheit, aber diese Fixierung kann zerstörerisch wirken, weil sie die natürliche Vielfalt des Lebens unterdrückt.
Das Zitat regt dazu an, über unsere sozialen und politischen Strukturen nachzudenken. In einer Welt, die oft auf Vereinheitlichung und Zentralisierung ausgerichtet ist, könnte Hölderlins Warnung vor der „Sucht“ aktueller denn je sein. Ob in autoritären Systemen, in denen eine Person oder Ideologie dominiert, oder in kulturellen Normen, die eine einzige Lebensweise fördern – diese Tendenz zum Monolithischen steht im Widerspruch zu einer harmonischen Einigkeit.
Hölderlins Worte laden den Leser ein, die Balance zwischen Einheit und Vielfalt neu zu betrachten. Wahre Einigkeit erfordert die Akzeptanz und Integration des Verschiedenen. Nur so können wir den göttlichen und guten Zustand erreichen, den Hölderlin in seiner Vision von Einigkeit beschreibt.
Zitat Kontext
Friedrich Hölderlin lebte in einer Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs. Die Französische Revolution und ihre Nachwirkungen hatten die Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in den Vordergrund gerückt, aber auch die Schattenseiten autoritärer Vereinheitlichung offenbart. Diese historischen Ereignisse könnten Hölderlin dazu inspiriert haben, über die Dynamik von Einheit und Zwang nachzudenken.
Philosophisch steht das Zitat im Kontext von Hölderlins Auseinandersetzung mit der klassischen Antike und der deutschen Idealphilosophie. Die Griechen schätzten Harmonie und Maß als höchste Ideale, und Hölderlin versuchte, diese Werte in die moderne Welt zu übertragen. Zugleich beeinflussten ihn Denker wie Hegel, deren Dialektik oft die Spannung zwischen Einheit und Vielfalt thematisierte.
Das Zitat hat auch eine spirituelle Dimension. Die Vorstellung, dass wahre Einigkeit göttlich ist, erinnert an pantheistische oder universale Konzepte, die die Menschheit als Teil eines größeren Ganzen sehen. Hölderlin kritisiert jedoch die menschliche Tendenz, diese Einigkeit in eine uniforme Struktur zu verwandeln, die die Vielfalt des Lebens leugnet.
Heute könnte man Hölderlins Gedanken als Plädoyer für Pluralismus und Diversität verstehen. In einer globalisierten Welt, die oft von Konflikten zwischen homogenisierenden Kräften und dem Wunsch nach Vielfalt geprägt ist, zeigt sein Zitat eine zeitlose Weisheit. Es erinnert daran, dass wahre Einheit nicht durch erzwungene Gleichheit entsteht, sondern durch die harmonische Koexistenz des Verschiedenen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Friedrich Hölderlin
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion