Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenliebe sich zu weit ausbreiten könnte, und richten Schranken gegen sie auf – die Nationalitäten.

- Marie von Ebner-Eschenbach

Marie von Ebner-Eschenbach

Klugwort Reflexion zum Zitat

Marie von Ebner-Eschenbachs Zitat kritisiert auf subtile, aber eindringliche Weise die menschliche Tendenz, Nächstenliebe und Mitgefühl durch künstlich geschaffene Grenzen einzuschränken. Indem sie Nationalitäten als Beispiel nennt, verdeutlicht sie, wie solche Schranken die universelle Verbundenheit der Menschheit behindern können.

Die Aussage spiegelt eine bittere Wahrheit wider: Obwohl die Idee der Nächstenliebe in vielen Kulturen und Religionen einen hohen Stellenwert hat, wird sie in der Praxis oft durch Vorurteile und nationale Egoismen begrenzt. Menschen neigen dazu, Gruppen zu bilden und sich abzugrenzen, um sich selbst zu schützen oder zu definieren. Doch diese Schranken schaffen mehr Distanz als Sicherheit und verhindern eine echte Verbindung mit anderen.

Das Zitat regt dazu an, über den Wert von Nächstenliebe nachzudenken, die nicht durch Nationalität, Kultur oder andere künstliche Grenzen bedingt ist. Ebner-Eschenbach fordert uns heraus, diese Schranken zu hinterfragen und unsere Empathie über nationale oder ethnische Zugehörigkeiten hinaus auszudehnen. Es ist ein Appell, die Menschlichkeit in den Vordergrund zu stellen und die Angst vor dem Fremden durch Mitgefühl zu ersetzen.

Die Reflexion über das Zitat erinnert daran, dass wahre Nächstenliebe bedingungslos ist. Es fordert auf, eigene Vorurteile zu erkennen und die universelle Verbundenheit mit allen Menschen zu suchen, unabhängig von Herkunft oder Identität.

Zitat Kontext

Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) war eine österreichische Schriftstellerin, deren Werke oft sozialkritische und moralische Themen behandelten. In einer Zeit, in der Nationalismus und ethnische Spannungen in Europa zunahmen, stellte sie sich gegen die Fragmentierung der Menschheit durch nationale und kulturelle Schranken.

Dieses Zitat spiegelt die politischen und sozialen Herausforderungen ihrer Zeit wider, insbesondere die nationalistischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts, die häufig zur Abgrenzung und Feindseligkeit zwischen verschiedenen Gruppen führten. Ebner-Eschenbach erkannte, dass diese nationalen Schranken nicht nur politische, sondern auch moralische und emotionale Barrieren schufen.

Heute ist ihre Aussage aktueller denn je. In einer globalisierten Welt, die dennoch von Nationalismen, Fremdenfeindlichkeit und Identitätspolitik geprägt ist, erinnert uns ihr Zitat daran, dass Nächstenliebe keine Grenzen kennen sollte. Es ist ein Aufruf, die künstlichen Schranken, die wir in unseren Köpfen und Gesellschaften errichten, abzubauen und stattdessen den gemeinsamen Nenner der Menschlichkeit zu sehen. Ebner-Eschenbachs Worte sind eine Mahnung, unsere Perspektiven zu erweitern und Mitgefühl nicht auf die eigene Gruppe zu beschränken.

Daten zum Zitat

Autor:
Marie von Ebner-Eschenbach
Tätigkeit:
Österreichische Schriftstellerin
Epoche:
Realismus
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Emotion:
Keine Emotion