Wie zuckt und zögert, wie dreht sich die Moral in der Wendung: »Ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb«.

- Karl Kraus

Karl Kraus

Klugwort Reflexion zum Zitat

Karl Kraus’ Zitat spielt auf die gesellschaftliche Moral und die subtilen, oft euphemistischen Ausdrucksweisen an, die verwendet werden, um unangenehme oder peinliche Themen zu umschreiben.

Die Formulierung „Ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb“ ist ein Beispiel für die vorsichtige und indirekte Sprache, die moralische Empfindlichkeiten zu umschiffen versucht. Kraus hebt hier die Ironie hervor, dass die Sprache selbst zum Spiegel der Unsicherheit und Doppelmoral einer Gesellschaft wird, die versucht, ihre Normen zu bewahren, während sie gleichzeitig in ihrer Ausdrucksweise an diesen Normen rüttelt.

Dieses Zitat regt dazu an, über die Funktion und den Einfluss der Sprache auf Moralvorstellungen nachzudenken. Es zeigt, wie Sprache sowohl enthüllen als auch verschleiern kann, und fordert den Leser auf, die Mechanismen der Kommunikation kritisch zu hinterfragen. Kraus' Worte laden dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir mit moralischen Themen umgehen und wie oft wir uns der Sprache bedienen, um heikle Wahrheiten zu entschärfen oder unangenehme Realitäten zu beschönigen.

Gleichzeitig weist das Zitat darauf hin, dass Moral nicht statisch ist, sondern sich in ständiger Anpassung und Bewegung befindet, oft beeinflusst von gesellschaftlichen Konventionen und sprachlichen Codes.

Zitat Kontext

Karl Kraus, ein österreichischer Schriftsteller und Satiriker, war bekannt für seine scharfsinnige Kritik an der Sprache und den Moralvorstellungen seiner Zeit. Dieses Zitat spiegelt seine Fähigkeit wider, die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichen Normen und sprachlichem Ausdruck präzise und ironisch zu analysieren.

Im frühen 20. Jahrhundert, in dem Kraus lebte, waren Fragen der Moral und Sexualität von strengen gesellschaftlichen Konventionen geprägt. Gleichzeitig begann sich die Sprache dieser Konventionen zu lockern, oft auf ironische oder euphemistische Weise. Kraus zeigt hier, wie Sprache zur Bühne wird, auf der moralische Konflikte und Anpassungen ausgetragen werden.

Auch in der heutigen Zeit bleibt das Zitat relevant. Es erinnert daran, wie Sprache genutzt wird, um gesellschaftliche Tabus zu umschiffen, und fordert dazu auf, die Verbindung zwischen Moral, Ausdruck und gesellschaftlichem Wandel kritisch zu reflektieren. Kraus’ Beobachtung ist eine zeitlose Einladung, nicht nur auf das Gesagte, sondern auch auf die Absichten und Zwischentöne dahinter zu achten.

Daten zum Zitat

Autor:
Karl Kraus
Tätigkeit:
österreichischer Schriftsteller, Publizist, Satiriker und Dramatiker
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion