Wie Deutsche Straßenraub außer Landes für erlaubt hielten, so Mord im Krieg [...]; so überall; Fehler, die man sich nicht gegen seine Familie etc. und Anhänger erlaubt, verstattet man sich gegen Fremde.

- Jean Paul

Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat

Jean Paul kritisiert in diesem Zitat eine doppelte Moral, die sich in vielen Gesellschaften zeigt: Das, was innerhalb der eigenen Gemeinschaft als unmoralisch gilt, wird gegenüber Fremden oft als akzeptabel betrachtet. Diese Haltung zeigt sich besonders in Kriegen oder in der Art, wie Nationen miteinander umgehen.

Diese Beobachtung ist zeitlos. Menschen neigen dazu, moralische Maßstäbe unterschiedlich anzulegen – gegenüber ihrer Familie, ihrem Volk oder ihrer religiösen Gemeinschaft gelten andere Regeln als gegenüber Außenstehenden. Doch wo liegt die Grenze zwischen moralischer Relativität und universellen Werten?

Das Zitat fordert uns auf, über unsere eigenen ethischen Maßstäbe nachzudenken. Sind wir wirklich konsequent in unserem moralischen Denken, oder unterscheiden wir zwischen 'uns' und 'den anderen'?

Letztendlich erinnert Jean Paul daran, dass wahre Moral universal sein sollte. Eine Gesellschaft, die in der eigenen Gemeinschaft bestimmte Werte hochhält, sie aber gegenüber anderen missachtet, verliert ihre ethische Glaubwürdigkeit.

Zitat Kontext

Jean Paul (1763–1825) war ein deutscher Schriftsteller, dessen Werke sich oft mit gesellschaftlichen und moralischen Fragen befassten. Er hatte ein scharfes Gespür für Heuchelei und die Widersprüche menschlichen Handelns.

Das Zitat spiegelt seine Kritik an einem Phänomen wider, das in der Geschichte immer wieder auftritt: Menschen betrachten Taten, die sie innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft ablehnen würden, als legitim, wenn sie gegen Außenstehende gerichtet sind. Diese Haltung zeigt sich besonders in Kriegen, aber auch in der Kolonialgeschichte oder in wirtschaftlichen Ausbeutungsmechanismen.

Zur Zeit Jean Pauls war Europa von Nationalismus und militärischen Konflikten geprägt. Viele Menschen betrachteten Eroberungen oder wirtschaftliche Vorteile auf Kosten anderer Nationen als selbstverständlich. Seine Worte erinnern daran, dass wahre Moral nicht an Grenzen haltmachen sollte.

Auch heute bleibt seine Kritik aktuell. Viele Gesellschaften haben einen doppelten Standard, wenn es um Gerechtigkeit, Krieg oder wirtschaftliche Interessen geht. Jean Pauls Worte fordern uns auf, unsere moralischen Prinzipien nicht selektiv anzuwenden – sondern universell und unabhängig von Gruppenzugehörigkeiten zu denken.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean Paul
Tätigkeit:
deutscher Schriftsteller
Epoche:
Romantik
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Emotion:
Keine Emotion