Wenn man ein sehr kostbares Gefäß sieht, kann man sich vorstellen, dass auch etwas sehr wertvolles darin sein muss. Genauso erfährt man durch die Sinneswahrnehmungen etwas von den Seelenkräften in einem Körper.
- Hildegard von Bingen

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hildegard von Bingen verbindet in diesem Zitat die äußere Erscheinung mit der inneren Essenz, indem sie eine Analogie zwischen einem wertvollen Gefäß und den Seelenkräften eines Menschen herstellt.
Es zeigt, wie eng äußere Wahrnehmungen mit der Vorstellung von inneren Qualitäten verknüpft sind. Ein schön gestalteter Körper oder ein strahlendes Äußeres weckt die Erwartung von ebenso wertvollen inneren Eigenschaften.
Dies regt zum Nachdenken darüber an, wie wir andere Menschen beurteilen und inwieweit diese Wahrnehmungen von äußeren Eindrücken geprägt sind.
Die Aussage geht jedoch über die oberflächliche Ebene hinaus und erinnert daran, dass die äußeren Sinne – Sehen, Hören, Fühlen – oft einen Zugang zur Tiefe der Seele schaffen können.
Gleichzeitig warnt das Zitat vor dem möglichen Irrtum, äußeren Erscheinungen allein zu vertrauen, und fordert eine achtsame Wahrnehmung, die nach den tieferen Kräften und Qualitäten sucht, die in jedem Menschen verborgen sind.
In einer modernen Welt, die stark auf Äußerlichkeiten fixiert ist, erinnert Hildegards Weisheit daran, die Verbindung zwischen Körper und Seele als ganzheitliche Einheit wahrzunehmen.
Zitat Kontext
Hildegard von Bingen, eine der bedeutendsten Mystikerinnen des Mittelalters, verband in ihren Werken spirituelle, philosophische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse.
Dieses Zitat spiegelt ihre Sichtweise wider, dass der menschliche Körper und die Seele in einem tiefen Zusammenhang stehen. Im Kontext ihrer Zeit war dies eine innovative Perspektive, da sie der Körperlichkeit einen positiven Wert zuschrieb, während viele mittelalterliche Ansichten den Körper eher als minderwertig oder sündhaft betrachteten.
Ihre Metapher des kostbaren Gefäßes zeigt, wie stark sie von der Idee geprägt war, dass die Schöpfung Gottes sich sowohl in der äußeren als auch in der inneren Welt widerspiegelt.
Philosophisch passt dieses Zitat in den Rahmen eines holistischen Weltbildes, das den Menschen als Einheit aus Körper, Seele und Geist sieht. Es ist zugleich eine Einladung, die Welt durch die Sinne wahrzunehmen und dennoch über die Oberfläche hinauszuschauen.
In der heutigen Zeit bleibt das Zitat relevant, da es daran erinnert, dass Äußerlichkeiten oft nur ein Fenster zu den tiefer liegenden Kräften und Werten eines Individuums sind. Es ruft zu einer Balance zwischen sinnlicher Wahrnehmung und innerer Reflexion auf.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Hildegard von Bingen
- Tätigkeit:
- dt. Mystikerin, Benediktinerin, Komponistin, Schriftstellerin, Heilerin, Philosophin
- Epoche:
- Hochmittelalter
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- Emotion:
- Keine Emotion