Wem es vergönnt ist, dass sein Traum in Erfüllung geht? Dafür müssen im Himmel Wahlen abgehalten werden und wir alle kandidieren ohne unser Wissen. Die Engel stimmen ab.
- Victor Hugo

Klugwort Reflexion zum Zitat
Victor Hugo beschreibt in diesem Zitat den unergründlichen Charakter des Schicksals und die Unsichtbarkeit der Kräfte, die unser Leben lenken. Der Gedanke, dass über die Erfüllung unserer Träume „im Himmel Wahlen abgehalten werden“, deutet darauf hin, dass Erfolg und Glück nicht allein vom eigenen Willen abhängen, sondern auch von Faktoren, die außerhalb unserer Kontrolle liegen.
Dieses Bild ist poetisch und gleichzeitig tiefgründig. Hugo stellt das Leben als eine Art Wahl dar, an der wir unbewusst teilnehmen. Wir alle „kandidieren“, ohne zu wissen, ob wir gewählt werden. Diese Metapher verdeutlicht, dass Glück und Erfolg nicht nur durch Leistung oder Verdienste bestimmt werden, sondern oft auch durch unsichtbare Kräfte, sei es Zufall, göttliche Fügung oder das Zusammenspiel gesellschaftlicher Umstände.
Das Zitat regt zum Nachdenken an, inwiefern wir unser eigenes Schicksal tatsächlich steuern können. Bedeutet es, dass wir uns dem Unvermeidlichen fügen sollten? Oder sollten wir trotzdem kämpfen, auch wenn die endgültige Entscheidung außerhalb unseres Einflusses liegt?
Kritisch betrachtet könnte man argumentieren, dass eine solche Sichtweise passiv macht. Wer glaubt, dass Erfolg von einer höheren Instanz bestimmt wird, könnte in Resignation verfallen. Andererseits fordert Hugo nicht zum Aufgeben auf, sondern beschreibt die Realität des Lebens: Man kann sich anstrengen, aber nicht alles liegt in der eigenen Hand. Dieses Gleichgewicht zwischen eigenem Handeln und dem Akzeptieren des Unvermeidlichen bleibt eine der größten Herausforderungen des Lebens.
Zitat Kontext
Victor Hugo (1802–1885) war einer der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter Frankreichs, bekannt für Werke wie *Les Misérables* und *Der Glöckner von Notre-Dame*. Sein Schaffen war oft geprägt von sozialer Kritik, tiefer Humanität und philosophischen Reflexionen über das Leben, Schicksal und Gerechtigkeit.
Das Zitat reflektiert eine romantisch-spirituelle Sichtweise auf das Schicksal. Im 19. Jahrhundert war die Vorstellung verbreitet, dass das Leben von einer höheren Macht gelenkt wird, sei es Gott, das Universum oder das Schicksal. Hugo verwendet hier das Bild einer himmlischen Wahl, um die Unvorhersehbarkeit des Lebens darzustellen.
Historisch betrachtet, lebte Hugo in einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Seine Werke setzen sich oft mit Themen wie Ungerechtigkeit, Hoffnung und dem Schicksal des Menschen auseinander. Dieses Zitat passt in den Kontext seiner Überzeugung, dass Menschen zwar kämpfen müssen, aber letztlich nicht alles in ihrer Hand liegt.
Heute bleibt die Aussage relevant. Viele Menschen fragen sich, warum manche ihre Träume verwirklichen können und andere nicht. Sind es nur Fleiß und Talent, oder spielt das Schicksal eine Rolle? Hugos Worte bieten eine poetische Antwort darauf: Vielleicht sind unsere Erfolge das Ergebnis von Entscheidungen, die wir nicht einmal bewusst wahrnehmen – sei es durch Glück, Zufälle oder das Zusammenspiel unsichtbarer Kräfte.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Victor Hugo
- Tätigkeit:
- Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion