Vermöge seiner Bildung sagt der Mensch nicht, was er denkt, sondern was andre gedacht haben und er gelernt hat; und er tut nicht sogleich was er möchte, sondern was man ihn zu tun gewöhnt hat.

- Arthur Schopenhauer

Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat

Schopenhauer beschreibt hier die tiefgehende Prägung des Menschen durch Erziehung, Gesellschaft und Konventionen.

Anstatt frei zu denken und zu handeln, wiederholen viele Menschen einfach das, was sie gelernt haben. Sie übernehmen Meinungen, die sie nicht hinterfragen, und verhalten sich gemäß gesellschaftlichen Erwartungen, ohne ihre eigenen Wünsche wirklich zu reflektieren.

Dies ist eine fundamentale Kritik an der mangelnden Eigenständigkeit des Menschen. Schopenhauer stellt die Frage: Ist das, was wir sagen und tun, wirklich unser eigenes Denken – oder sind wir nur das Produkt externer Einflüsse?

Dieses Zitat fordert zur Selbstreflexion auf. In einer Welt, in der Meinungen oft durch Medien, Traditionen oder Gruppenmeinungen geprägt sind, erinnert es daran, dass wahre Bildung nicht im bloßen Wiederholen liegt, sondern im kritischen Hinterfragen und im eigenständigen Denken.

Zitat Kontext

Arthur Schopenhauer (1788–1860) war einer der bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, bekannt für seine tiefgründige, oft pessimistische Analyse der menschlichen Natur.

Dieses Zitat steht im Einklang mit seiner Philosophie des 'Willens': Der Mensch glaubt oft, aus freien Stücken zu handeln, ist aber in Wirklichkeit durch gesellschaftliche Zwänge und erlernte Muster gesteuert. Er betonte, dass echte Freiheit nur durch kritisches Denken und das Durchbrechen von Gewohnheiten erreicht werden kann.

Der historische Kontext ist spannend: Im 19. Jahrhundert begannen sich Bildungsreformen und neue philosophische Strömungen zu entwickeln. Doch Schopenhauer kritisierte, dass Bildung oft nur eine Form des angepassten Denkens war, anstatt echtes, freies Denken zu fördern.

Auch heute bleibt sein Zitat relevant. In einer Zeit der Massenmedien, sozialer Netzwerke und Informationsflut stellt sich immer wieder die Frage: Denken wir wirklich selbst, oder übernehmen wir unbewusst die Gedanken anderer? Schopenhauers Worte sind eine Mahnung, den Mut zur Eigenständigkeit zu haben und sich nicht nur von äußeren Einflüssen leiten zu lassen.

Daten zum Zitat

Autor:
Arthur Schopenhauer
Tätigkeit:
deutscher Philosoph
Epoche:
Moderne
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Emotion:
Keine Emotion