So kann also die Mathematik definiert werden als diejenige Wissenschaft, in der wir niemals das kennen, worüber wir sprechen, und niemals wissen, ob das, was wir sagen, wahr ist.
- Bertrand Russell

Klugwort Reflexion zum Zitat
Bertrand Russell, einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, spricht in diesem Zitat die paradoxe und komplexe Natur der Mathematik an. Die Mathematik wird hier nicht als eine exakte Wissenschaft präsentiert, die auf unumstößlichen Wahrheiten basiert, sondern als eine Disziplin, die immer mit Ungewissheiten und Fragen behaftet ist. Das Zitat könnte als eine kritische Reflexion über die Begrenztheit menschlicher Erkenntnis verstanden werden, selbst in Bereichen, die auf den ersten Blick absolut und präzise erscheinen. Russell zeigt, dass in der Mathematik zwar auf formalen Systemen und Regeln gebaut wird, aber die Frage nach der Wahrheit – insbesondere in Bezug auf die Unvollständigkeit und die Grenzen mathematischer Systeme – nie eindeutig beantwortet werden kann. In gewissem Sinne stellt er damit die Wahrheitsansprüche der Mathematik infrage und eröffnet eine philosophische Diskussion über den Charakter von Wissen und Wahrheit. Diese Sichtweise spiegelt sich in Russells eigenen Arbeiten wider, etwa in seiner Zusammenarbeit mit Alfred North Whitehead bei der Entwicklung der 'Principia Mathematica', in denen er versuchte, die gesamte Mathematik auf logische Grundlagen zu stellen. Doch selbst dort, wie es später Gödel und andere Zeigen, ist die Mathematik nicht so sicher und wahr wie man vermuten könnte. Russell fordert uns heraus, die Gewissheit, die wir oft in Wissenschaft und Mathematik suchen, zu hinterfragen und die Begrenzungen unseres Verständnisses zu akzeptieren.
Zitat Kontext
Bertrand Russell (1872–1970) war ein britischer Philosoph, Logiker und Sozialkritiker, der vor allem durch seine Arbeiten zur Logik und Philosophie der Mathematik sowie seine politische Aktivität bekannt wurde. In seiner Arbeit 'Principia Mathematica', die er zusammen mit Alfred North Whitehead verfasste, versuchten die beiden, die Grundlagen der Mathematik auf die Prinzipien der formalen Logik zurückzuführen. Russells Bemühungen, die Mathematik und die Logik miteinander zu verbinden, sind ein Schlüsselaspekt seines philosophischen Werks. Das Zitat stammt aus einem seiner späteren philosophischen Essays, in denen er den Status der Mathematik und ihrer Wahrheitsansprüche hinterfragte. Es reflektiert die aufkommende Erkenntnis der Unvollständigkeit der Mathematik, die in den 1930er Jahren durch Kurt Gödel und seine Unvollständigkeitssätze formalisiert wurde. Gödel zeigte, dass es innerhalb jedes hinreichend mächtigen und konsistenten logischen Systems wahre Aussagen gibt, die aber nicht innerhalb des Systems bewiesen werden können. Dies stellte die Grundlage der Mathematik und die Philosophie der Wissenschaft infrage. Russells Zitat spielt also auf eine tiefere philosophische Problematik an, die auch die Grenzen des menschlichen Wissens und den Anspruch, absolute Wahrheiten zu finden, thematisiert. Im historischen Kontext von Russells Denken war dies eine Reflexion über die epistemologischen und logischen Herausforderungen seiner Zeit und blieb auch in der modernen Philosophie und Mathematik von großer Bedeutung.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Bertrand Russell
- Tätigkeit:
- brit. Philosoph, Mathematiker, Logiker, Historiker, Schriftsteller
- Epoche:
- Moderne
- Emotion:
- Keine Emotion