Reine Liebe liegt allein im Willen; sie ist keine sentimentale Liebe, denn die Phantasie hat keinen Anteil daran; sie liebt, wenn wir es so ausdrücken dürfen, ohne zu fühlen, so wie der Glaube glaubt, ohne zu sehen.

- François Fénelon

François Fénelon

Klugwort Reflexion zum Zitat

Fénelon beschreibt hier eine besondere Form der Liebe – eine, die sich nicht auf Gefühle oder Emotionen stützt, sondern allein auf den Willen.

Diese Vorstellung unterscheidet sich stark von der romantischen Liebe, die oft von Leidenschaft und emotionaler Nähe geprägt ist. Fénelon hingegen betont eine Art von Liebe, die unabhängig von äußeren Umständen oder subjektiven Empfindungen existiert. Sie ist eine bewusste Entscheidung, eine Haltung des Geistes und nicht des Herzens.

Dies ist eine herausfordernde Sichtweise, denn sie stellt die Frage: Ist wahre Liebe eine Emotion oder eine Tugend? In der modernen Welt wird Liebe oft mit intensiven Gefühlen gleichgesetzt. Doch Fénelon erinnert daran, dass Liebe auch eine Form der Treue, der Hingabe und des Dienens sein kann – selbst wenn keine starken Emotionen vorhanden sind.

Sein Zitat fordert uns auf, über unsere eigene Auffassung von Liebe nachzudenken. Ist sie ein Zustand, der uns überkommt, oder eine bewusste Wahl? Besonders in langjährigen Beziehungen oder im zwischenmenschlichen Umgang kann dieser Gedanke helfen, Liebe nicht nur als Gefühl, sondern auch als Verantwortung zu verstehen.

Zitat Kontext

François Fénelon (1651–1715) war ein französischer Theologe und Schriftsteller, der für seine spirituellen Schriften über Demut, Liebe und Glauben bekannt ist.

Sein Zitat steht im Kontext der christlichen Mystik, die oft zwischen sentimentaler und geistiger Liebe unterscheidet. In der christlichen Theologie wird Liebe nicht nur als emotionale Regung, sondern als eine bewusste Entscheidung für Güte und Hingabe verstanden – vergleichbar mit dem Glauben, der ebenfalls über das bloße Sehen hinausgeht.

Zur Zeit Fénelons waren religiöse und philosophische Debatten über die Natur der Liebe weit verbreitet. Während einige Denker Liebe als eine unkontrollierbare Leidenschaft betrachteten, sahen andere sie als Tugend, die erlernt und geübt werden kann.

Auch heute bleibt seine Unterscheidung wichtig. In einer Gesellschaft, die oft von spontanen Gefühlen geleitet wird, erinnert Fénelons Zitat daran, dass wahre Liebe nicht immer von Emotionen abhängt – sondern auch eine bewusste Wahl sein kann. Es fordert uns dazu auf, Liebe nicht nur als ein Gefühl zu betrachten, sondern als eine innere Haltung des Willens.

Daten zum Zitat

Autor:
François Fénelon
Tätigkeit:
französischer Geistlicher, Schriftsteller und Pädagoge
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion