Ob einer mehr Ursach hat, die Menschen zu suchen oder zu meiden, hängt davon ab, ob er mehr die Langeweile oder den Verdruss fürchtet.
- Arthur Schopenhauer

Klugwort Reflexion zum Zitat
Arthur Schopenhauers Aussage beleuchtet die menschliche Neigung, zwischen Isolation und Gesellschaft zu schwanken, je nachdem, welche Unannehmlichkeit man mehr fürchtet: die Leere des Alleinseins oder die Konflikte, die in sozialen Interaktionen entstehen können. Die Wahl zwischen Langeweile und Verdruss ist für Schopenhauer keine leichte, da beide Zustände dem Menschen Unbehagen bereiten können. Dieser Gedanke passt gut zu seiner pessimistischen Weltsicht, die die menschliche Existenz oft als von Leiden geprägt darstellt.
Langeweile, so könnte man interpretieren, ist ein innerer Zustand, der entsteht, wenn der Mensch ohne Anregung bleibt. Sie zwingt ihn, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, was nicht immer angenehm ist. Verdruss hingegen ist das Ergebnis äußerer Einflüsse, die durch die Interaktion mit anderen entstehen. Dabei können Missverständnisse, Konflikte oder Enttäuschungen auftreten, die das soziale Leben belasten.
Diese Dichotomie verweist auf eine grundlegende menschliche Zerrissenheit: die Sehnsucht nach Gesellschaft und die gleichzeitige Angst vor den negativen Aspekten sozialer Beziehungen. Schopenhauers Zitat regt dazu an, die eigenen Präferenzen zu hinterfragen: Ziehe ich die Stille vor, auch wenn sie zu Langeweile führt, oder akzeptiere ich den Trubel der Gesellschaft, trotz des Risikos, enttäuscht oder verletzt zu werden? Die Antwort darauf könnte nicht nur von der Persönlichkeit eines Menschen abhängen, sondern auch von seinen aktuellen Lebensumständen und emotionalen Bedürfnissen.
Zitat Kontext
Arthur Schopenhauer war ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, dessen Werk stark von der indischen Philosophie, insbesondere dem Buddhismus, und den Gedanken Immanuel Kants geprägt wurde. Seine Hauptwerke, wie *Die Welt als Wille und Vorstellung*, beschäftigen sich mit der Natur des menschlichen Leidens und der Suche nach einem Ausweg aus den Zwängen des Willens. Sein pessimistisches Menschenbild hebt oft die Konflikte und Leiden hervor, die untrennbar mit der menschlichen Existenz verbunden sind.
Das vorliegende Zitat passt in diesen Kontext, da es die fundamentale Ambivalenz des menschlichen Daseins beleuchtet. Schopenhauer betrachtet die Wahl zwischen Langeweile und Verdruss als unvermeidliche Dilemma des sozialen Lebens. Dieses Spannungsverhältnis entspricht seiner Ansicht, dass das Leben eine Abfolge von Mangel und Erfüllung darstellt, wobei jeder erfüllte Wunsch nur einem neuen Mangel Platz macht.
Historisch betrachtet reflektiert das Zitat auch die gesellschaftliche Realität der Zeit Schopenhauers, in der soziale Interaktionen durch strikte Etikette und Hierarchien geprägt waren, die oft Anlass zu Konflikten gaben. Gleichzeitig erinnert es uns daran, dass diese Spannung zeitlos ist und auch in modernen Gesellschaften relevant bleibt. Der Gedanke, zwischen Isolation und Gemeinschaft zu wählen, berührt Fragen, die sowohl im Kontext persönlicher Entwicklung als auch gesellschaftlicher Dynamiken betrachtet werden können.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Arthur Schopenhauer
- Tätigkeit:
- deutscher Philosoph
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion