Neide die Leidensfreien nicht, die Götzen von Holz, denen nichts mangelt, weil ihre Seele so arm ist, die nichts fragen nach Regen und Sonnenschein, weil sie nichts haben, was der Pflege bedürfte.
- Friedrich Hölderlin

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hölderlin beschreibt hier eine tiefe Wahrheit über menschliches Leid und Reichtum des Geistes. Er stellt fest, dass diejenigen, die keine Sorgen oder Herausforderungen haben, oft innerlich leer sind – vergleichbar mit leblosen Götzen aus Holz.
Seine Worte deuten darauf hin, dass wahres Leben in der Erfahrung von Freude und Schmerz liegt. Wer nichts besitzt, das ihm wichtig ist, hat auch nichts zu verlieren – aber genau diese Bedeutungslosigkeit macht das Leben arm. Er warnt davor, Menschen zu beneiden, die scheinbar keine Sorgen haben, da sie vielleicht auch keine tiefere Verbindung zur Welt und zu ihren Gefühlen besitzen.
Dieses Zitat fordert uns auf, über den Zusammenhang zwischen Leid und Bedeutung nachzudenken. Ist es nicht gerade das, was uns berührt, verletzt und fordert, das unserem Leben Tiefe und Sinn verleiht? Sollten wir unser Leid nicht als Teil der menschlichen Erfahrung akzeptieren, statt es zu vermeiden?
Besonders heute, in einer Gesellschaft, die oft danach strebt, jegliches Leid zu minimieren, bleibt Hölderlins Gedanke relevant. Er erinnert uns daran, dass Schmerz und Verlust uns nicht nur schwächen – sondern auch unsere Fähigkeit zur Empathie, Tiefe und echten Erfahrungen stärken können.
Zitat Kontext
Friedrich Hölderlin (1770–1843) war ein deutscher Dichter der Romantik, bekannt für seine tiefgründigen und oft melancholischen Betrachtungen über das menschliche Dasein.
Dieses Zitat steht im Kontext seiner Überzeugung, dass Leiden eine essenzielle Dimension der menschlichen Erfahrung ist. Er sah in Schmerz und Verlust nicht nur Negatives, sondern eine notwendige Voraussetzung für emotionalen und geistigen Reichtum.
Der historische Kontext zeigt, dass Hölderlin in einer Zeit lebte, in der Rationalität und Empfindsamkeit oft im Konflikt standen. Seine Worte reflektieren eine romantische Sichtweise, die das Leiden als Teil der menschlichen Tiefe betrachtet.
Auch heute bleibt seine Botschaft bedeutend. In einer Gesellschaft, die oft Glück mit Leidensfreiheit verwechselt, erinnert uns sein Zitat daran, dass wahres Leben aus Höhen und Tiefen besteht – und dass die wertvollsten Erfahrungen oft mit Schmerz, aber auch mit großer Schönheit verbunden sind.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Friedrich Hölderlin
- Tätigkeit:
- deutscher Dichter
- Epoche:
- Romantik
- Mehr?
- Alle Friedrich Hölderlin Zitate
- Emotion:
- Keine Emotion