In fast jedem Laster steckt eine gewisse Tugend, außer in der Heuchelei; und selbst die ist zwar eine Verhöhnung der Tugend, aber gleichzeitig ein Kompliment an sie.
- William Hazlitt

Klugwort Reflexion zum Zitat
Hazlitt zeigt in dieser Aussage die Ambivalenz und die paradoxe Natur von Laster und Tugend. Er erkennt an, dass selbst moralisch verwerfliches Verhalten wie Heuchelei eine indirekte Bestätigung für die Wichtigkeit von Tugendhaftigkeit darstellt. Denn wer heuchelt, gibt zu, dass Tugend einen Wert besitzt, den er oder sie vorgibt zu haben. Dies lädt dazu ein, über die komplexen Motivationen menschlichen Verhaltens nachzudenken: Warum streben Menschen nach einer moralischen Fassade, wenn sie nicht bereit oder in der Lage sind, diese Tugenden authentisch zu leben? Es könnte darauf hinweisen, dass die menschliche Natur stets nach Anerkennung strebt, selbst wenn diese nicht ehrlich verdient wurde. Heuchelei ist daher nicht nur eine Verfehlung, sondern auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher Werte, die Tugendhaftigkeit hochhalten, selbst wenn sie oft nur vorgespielt wird.
Persönlich regt dies an, über die Bedeutung von Authentizität in Beziehungen und im eigenen Verhalten nachzudenken. Wie oft legen wir Wert darauf, moralisch zu erscheinen, statt wirklich moralisch zu handeln? Diese Frage kann uns zu mehr Ehrlichkeit mit uns selbst und anderen führen.
Zitat Kontext
William Hazlitt war ein einflussreicher Essayist des 19. Jahrhunderts, der sich tief mit der menschlichen Natur, ihren Schwächen und ihren Stärken auseinandersetzte. In seinen Werken untersuchte er häufig die moralischen Dilemmata und die sozialen Verhaltensmuster seiner Zeit. Hazlitts Gedanken spiegeln eine tiefe Reflexion über das menschliche Streben nach Tugend wider und fordern die Leser auf, die Diskrepanz zwischen Schein und Sein zu hinterfragen. Diese Aussage über Heuchelei ist typisch für seine Fähigkeit, komplexe moralische Sachverhalte mit Klarheit und Prägnanz darzustellen.
Daten zum Zitat
- Autor:
- William Hazlitt
- Tätigkeit:
- englischer Essayist, Literaturkritiker und Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion