In der Silbe ›alt‹ strömt der ganze mythologische Fluß Lethe, aus dem die junge Frau Vergessenheit des Gatten schlürft.

- Johann Nepomuk Nestroy

Johann Nepomuk Nestroy

Klugwort Reflexion zum Zitat

Nestroys Zitat ist ein meisterhaftes Beispiel für seine sprachliche Gewandtheit und seinen scharfsinnigen Humor. Es verbindet die scheinbar banale Silbe 'alt' mit der tiefgründigen Metapher des Flusses Lethe aus der griechischen Mythologie, der für Vergessen steht.

Der Fokus liegt auf dem Bild, dass die Jugend und Frische einer Frau das Alter und die Verbindung zum Gatten in den Hintergrund treten lassen können. Diese ironische Darstellung deutet auf die Dynamik von Beziehungen hin, insbesondere auf die Spannungen, die durch den Unterschied zwischen jugendlicher Lebendigkeit und zunehmendem Alter entstehen.

Die Reflexion regt an, über den Einfluss von Vergänglichkeit und Erinnerungsverlust in menschlichen Verbindungen nachzudenken. Die poetische Sprache offenbart nicht nur gesellschaftliche Beobachtungen, sondern auch die Komplexität von Gefühlen, die durch Veränderungen in Beziehungen entstehen. Dabei zeigt Nestroy, wie Sprache und Symbolik genutzt werden können, um tieferliegende Wahrheiten humorvoll und zugleich melancholisch darzustellen.

Zitat Kontext

Johann Nepomuk Nestroy war ein bedeutender Dramatiker des 19. Jahrhunderts, dessen Werke durch satirische Kommentare auf die Gesellschaft seiner Zeit geprägt sind. Dieses Zitat verweist auf den Fluss Lethe, der in der griechischen Mythologie für das Vergessen steht.

Es illustriert Nestroys Fähigkeit, kulturelle und mythologische Referenzen mit zeitgenössischen Themen zu verweben. Im Kontext des Biedermeier-Zeitalters, in dem konservative Werte und ein starkes Ideal der Ehe dominierten, wirkt das Zitat wie eine subtile Kritik an diesen Idealen.

Es thematisiert die unausgesprochenen Realitäten von Beziehungen, insbesondere die Spannungen, die durch das Altern und die Vergänglichkeit entstehen. Nestroys Worte sind gleichzeitig zeitlos, da sie universelle Aspekte der menschlichen Natur berühren: den Wunsch nach Jugend, die Angst vor dem Altern und die Fragilität zwischenmenschlicher Verbindungen. Diese thematische Tiefe macht das Zitat auch heute noch relevant und ansprechend.

Daten zum Zitat

Autor:
Johann Nepomuk Nestroy
Tätigkeit:
österr. Schauspieler, Dramatiker, Satiriker
Epoche:
Biedermeier
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Emotion:
Keine Emotion