In der Gegenwart, wo es keine ausschließliche Nationalreligion mehr gibt noch geben kann, muss man alle Kulte dulden, die die anderen dulden, solange ihre Dogmen den staatsbürgerlichen Pflichten nicht widerstreiten.

- Jean-Jacques Rousseau

Jean-Jacques Rousseau

Klugwort Reflexion zum Zitat

Rousseau plädiert hier für religiöse Toleranz unter der Bedingung, dass religiöse Überzeugungen nicht den Pflichten gegenüber dem Staat widersprechen.

Seine Aussage reflektiert eine wichtige Debatte, die bis heute aktuell ist: Wie geht eine Gesellschaft mit verschiedenen religiösen Gruppen um? Rousseau sieht die Zeit der Nationalreligionen als vorbei an und fordert stattdessen eine offene Haltung gegenüber unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Gleichzeitig betont er aber, dass religiöse Dogmen nicht über den staatlichen Gesetzen stehen dürfen.

Diese Balance ist eine Herausforderung für moderne Demokratien. Während Religionsfreiheit ein Grundrecht ist, gibt es immer wieder Konflikte, wenn religiöse Praktiken mit staatlichen Prinzipien kollidieren. Rousseaus Gedanke erinnert uns daran, dass ein friedliches Zusammenleben nicht durch die Bevorzugung einer Religion entsteht, sondern durch gegenseitige Toleranz innerhalb eines klaren rechtlichen Rahmens.

Sein Zitat ist ein Appell an gesellschaftlichen Respekt und Pluralismus. Es fordert dazu auf, Religionsfreiheit zu wahren, aber auch sicherzustellen, dass religiöse Überzeugungen nicht über die Grundprinzipien einer freien und gerechten Gesellschaft gestellt werden.

Zitat Kontext

Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) war ein bedeutender Philosoph der Aufklärung, dessen Ideen über Freiheit, Gesellschaft und politische Ordnung großen Einfluss auf die Französische Revolution hatten.

Sein Zitat steht in engem Zusammenhang mit seinen Überlegungen zur Zivilreligion, die er in 'Der Gesellschaftsvertrag' formulierte. Er argumentierte, dass eine Gesellschaft nicht von einer einzigen Religion dominiert werden sollte, sondern dass religiöse Vielfalt erlaubt sein müsse – solange sie nicht gegen die Prinzipien des Staates verstößt.

Zur Zeit Rousseaus waren viele europäische Staaten von einer starken Verbindung zwischen Religion und Staat geprägt. Die Vorstellung, dass Religion eine private Angelegenheit sein sollte, war noch nicht allgemein akzeptiert. Rousseau plädierte für eine neue Ordnung, in der Toleranz und der Vorrang staatlicher Gesetze über religiösen Dogmen als Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft dienen sollten.

Seine Gedanken sind auch heute von großer Bedeutung. In multikulturellen Gesellschaften stehen Regierungen immer wieder vor der Herausforderung, Religionsfreiheit mit den Prinzipien des säkularen Rechtsstaates zu vereinbaren. Rousseaus Zitat erinnert daran, dass echte Religionsfreiheit nur dann funktioniert, wenn sie auf gegenseitiger Toleranz und einem gemeinsamen rechtlichen Fundament beruht.

Daten zum Zitat

Autor:
Jean-Jacques Rousseau
Tätigkeit:
französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge
Epoche:
Aufklärung
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Emotion:
Keine Emotion