Im Hochgebirge Die Menschen klein, den Menschen groß vom Felsen hoch zu sehn, so lieb' ich's mir: Das sprießt und wimmelt aus der Erde Schoß Und mächtig ringt das Ich sich aus dem Wir.
- Christian Morgenstern
Klugwort Reflexion zum Zitat
Christian Morgenstern nutzt in diesem Gedicht die majestätische Kulisse des Hochgebirges, um die Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie die Dynamik von Individualität und Gemeinschaft zu thematisieren. Die Perspektive vom Felsen aus, die Menschen klein erscheinen lässt, symbolisiert Demut vor der Natur und den eigenen Platz in einem größeren Ganzen. Gleichzeitig unterstreicht das Bild, wie das ‚Ich‘ sich aus dem ‚Wir‘ herausringt – ein Streben nach Individualität und Selbstbewusstsein, das jedoch nicht ohne die Verbindung zum Ganzen existieren kann.
Diese Reflexion erinnert uns daran, wie Naturerfahrungen existenzielle Fragen und Erkenntnisse über das eigene Sein auslösen können. Das Gedicht regt dazu an, über die Balance zwischen dem individuellen Streben und dem Eingebundensein in die Gemeinschaft nachzudenken. Es zeigt, dass wahre Größe sowohl in der Selbsterkenntnis als auch in der Wertschätzung des übergeordneten Ganzen liegt.
Zitat Kontext
Christian Morgenstern war ein Dichter und Denker, dessen Werke oft philosophische und spirituelle Themen aufgriffen. Dieses Gedicht ist typisch für seine Beschäftigung mit der Natur als Inspirationsquelle und als Spiegel für menschliche Empfindungen. Geschrieben in einer Zeit, in der die Romantik nachklang und die Moderne aufblühte, verbindet es klassische Motive mit der individuellen Suche nach Sinn.
Die Natur, speziell das Hochgebirge, spielte in der Literatur seit jeher eine bedeutende Rolle als Ort der Reflexion und der Transzendenz. Für Morgenstern wird der Berg zum Symbol der Überwindung – nicht nur physisch, sondern auch geistig. Das Gedicht steht in einer Tradition, die Natur und Philosophie miteinander verknüpft, und ist gleichzeitig ein Ausdruck der individuellen und universellen Kämpfe des Menschen. Es spiegelt die ewige Frage wider: Wie findet man seine eigene Größe in einer Welt, die so unendlich groß scheint?
Daten zum Zitat
- Autor:
- Christian Morgenstern
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller und Dichter
- Epoche:
- Moderne
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- Emotion:
- Keine Emotion