Im Dienste der Liebesgöttin wird man leichter kahl als grau; er war schon gegen die Silberbraut moralisch-kahl.
- Jean Paul

Klugwort Reflexion zum Zitat
Jean Pauls Zitat verbindet auf humorvolle und ironische Weise das körperliche Altern mit moralischen und romantischen Aspekten des Lebens. Die Aussage „kahl statt grau“ deutet darauf hin, dass Leidenschaft und Hingabe an die Liebe – dargestellt durch die ‚Liebesgöttin‘ – mehr Tribut fordern können als die Zeit selbst. Die zweite Hälfte des Zitats, in der von ‚moralisch-kahl‘ die Rede ist, spielt darauf an, dass übermäßige Hingabe an romantische oder sinnliche Genüsse die moralischen Prinzipien des Einzelnen schmälern könnte.
Das Zitat regt dazu an, über das Gleichgewicht zwischen Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein nachzudenken. Es zeigt, dass die Hingabe an die Liebe und das Streben nach romantischer Erfüllung zwar erfüllend, aber auch herausfordernd sein können – sowohl für den Geist als auch für den Körper. Der Ausdruck ‚moralisch-kahl‘ wirft zudem die Frage auf, inwieweit wir bereit sind, moralische Kompromisse einzugehen, um unseren Leidenschaften nachzugehen.
In einer Welt, die oft zwischen romantischen Idealen und gesellschaftlichen Erwartungen pendelt, erinnert Jean Pauls ironischer Ton daran, die Balance zwischen Emotion und Vernunft zu finden. Seine Worte laden dazu ein, die Liebe als eine mächtige, aber auch anspruchsvolle Kraft zu betrachten, die sowohl die besten als auch die schwierigsten Aspekte der menschlichen Natur hervorbringt.
Zitat Kontext
Jean Paul (1763–1825), einer der einflussreichsten deutschen Schriftsteller der Spätromantik, war bekannt für seinen humorvollen und oft ironischen Stil. Seine Werke, die von einer tiefen Menschenkenntnis zeugen, verbinden philosophische Reflexionen mit satirischen Kommentaren über das menschliche Verhalten.
Dieses Zitat spielt mit der Metaphorik der Antike, indem die ‚Liebesgöttin‘ auf die mythologische Figur Venus verweist, die für Leidenschaft und Verführung steht. Der Ausdruck ‚Silberbraut‘ könnte sich auf das Altern und die damit einhergehende Weisheit und Zurückhaltung beziehen, die im Kontrast zur impulsiven Hingabe an die Liebe stehen. In einer Zeit, in der Moral und gesellschaftliche Konventionen stark im Vordergrund standen, bot Jean Paul mit solchen Aussagen eine subtile Kritik und zugleich eine humorvolle Perspektive auf die menschliche Natur.
Heute erinnert das Zitat daran, dass Liebe und Leidenschaft zeitlose Themen sind, die immer wieder das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit, moralischer Integrität und gesellschaftlicher Erwartung ausloten. Jean Pauls Worte laden uns dazu ein, die Liebe mit einem Augenzwinkern und einem Bewusstsein für ihre komplexen Facetten zu betrachten.
Daten zum Zitat
- Autor:
- Jean Paul
- Tätigkeit:
- deutscher Schriftsteller
- Epoche:
- Romantik
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- Emotion:
- Keine Emotion